In der Höhle des Löwen

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Ein Bericht von einer Aktion in der Höhle des Löwen. Wir fürchten uns nicht!!!!

Es ist Sonntag, der 10. 9. 2017 in Steinhorst/Delbrück in NRW!
Hier befindet sie sich, die Kanzlertankstelle, eine Hochburg der CDU! 68 Prozent haben hier also jene Partei gewählt, die den Untergang des eigenen Landes beschlossen hat. Ob den Bewohnern das bewußt ist, darf bezweifelt werden, läuft doch in Steinhorst alles zum Besten. Alles sauber, tolle, große Häuser, die Straßen sind einwandfrei und auch sonst wirkt alles sehr verschlafen. Eine wirkliche Durchgangsstraße scheint es nicht zu geben, man lebt auf der Insel der Hypnoten. Alle Straßen sind in Erwartung der Ankunft der Gottkanzlerin vorsichtshalber mit Feuerwehrautos und sonstigen Absperrungen verriegelt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind auf der Insel der Glückseligen trotzdem enorm. Man will unter sich sein und duldet keine Störenfriede, so kommt es einem vor. Ungeheuer viel Schutzpolizei und Ohrknopfträger in Räuberzivil, auf 10 km zu erkennen, laufen aufgeregt die ihnen vorgegebenen Routen ab. Ein Seelsorger der Polizei, ein ausgebildeter katholischer Geistlicher, ist auch dabei. Es drängt sich die Frage auf, wozu man diesen für unabkömmlich hält? Wen soll er trösten, wen aufbauen? Die Antwort könnte doch tatsächlich etwas mit den eigenen Polizisten zu tun haben, das sieht man Einigen doch sehr wohl an, daß Job im Staatsdienst und eigenes, persönliches Befinden auseinanderdriften! Sei’s drum.

Alles erinnert an Honeckers letztes Fest, den 40. Jahrestag der DDR. Selbst die Polizei-Hundertschaft aus Bielefeld ist da. Auch Spürhunde sind im Einsatz.

Der Schützenverein posiert in Phantasieuniformen, mit Lametta und selbstgestanzten Lächerlichkeitsmedaillen behangen – man probt den Untergangsmarsch!

Und wir? Wir drei Leute aus dem Bielefeld-Lipper Raum, die wir uns gegen 9.45 Uhr, den Hinweisen der freundlichen Feuerwehrleute folgend, auf dem riesigen Parkplatz einfinden, wissen nicht so wirklich, was wir von dieser surrealen Situation halten sollen. Im Auto lassen wir erst mal Megaphon und Brandschutztröte – ein unglaublich lautes Teil – zu auffällig! Diese kommen an diesem Tag nicht zum Einsatz. Aber unsere T-Shirts tragen wir schon unter der Jacke. Die sind etwas „speziell“, denn darauf steht in riesen Lettern „Merkel in den Knast!“. Wir drei Leute schlendern zunächst gemütlich auf die Festzeltwiese mit den riesigen Zelten und der großen Leinwand, vor der man viele Biertische aufgebaut hat. Bierwagen und Wurstbude für das nicht geladene „Volk“ , dazu jede Menge Toiletten und Polizeiwagen satt. Umrahmt mit diesen einmaligen Wahlslogan-Plakaten, deren Inhalte durch Inhaltslosigkeit glänzen, umschließt ein Metallzaun in Hüfthöhe dieses gemütliche Steinhorster Oäschen!

Wir laufen den ganzen Ort ab, wissen wir doch, daß seine Heiligkeit, die göttliche Angela Dorothea Kasner, alias IM Erika, genannt KANZLERIN, erst gegen 13.00 Uhr die Steinhorster Realitätsverweigerer besuchen wird. Unheimlich angespannt wirkt alles. Wir werden beäugt und als ortsfremd entlarvt. Langsam bewegen wir uns auf dem Krönungsplatz, der genannten Festzeltwiese. Hier werden wir Zeuge der Vergatterung der extra zum Jubeln angekarrten Jubelisten. Auf Los geht’s los, so die Devise. Der Platz füllt sich, die Schlange zum Einlaß in das Zelt wird länger und länger. Fassen können wir drei Leutchen dies nicht, aber in Steinhorst ist alles anders. Wir sprechen mit ein paar neugierigen Einwohnern, die dem Schauspiel auch skeptisch gegenüberstehen, während wir selbst als zum Staatsschutz gehörend eingestuft werden. Gelernt ist gelernt.

Dann ein Hubschrauber und einige Limousinen. Gepanzert. Da kommen die ersten aus der Düsseldorfer Staatskanzlei. Ein Videowagen der Polzei geht in Stellung und wir, wir haben so ein klein wenig die Buchse voll, haben wir doch damit gerechnet, daß wir vielleicht doch ein paar Widerständler treffen würden. Fehlanzeige! NULL! Nun öffnet der erste von uns, voller Frust und Wut, doch seine Jacke. Er geht zum Polizei-Seelsorger und spricht mit ihm. Sein T-Shirt mit dem „Merkel in den Knast“-Aufdruck wird gesehen. Der nächste öffnet seine Jacke und nun kommt ein Polizist und erklärt uns freundlich, es wäre unser Recht, dies zu zeigen, aber er hoffe, daß wir keinen Ärger machen würden, was wir natürlich umgehend geloben. Er könne uns aber nicht garantieren, ob vom Hausrecht Gebrauch gemacht würde, was zu unserem Rausschmiss führen könne.

Tja, in diesem Augenblick schwärmte die von allen sehnlichst erwartete Kaiserin von Deutschland ein. Zuvor kam noch Herr Luschet …, Entschuldigung, Laschet, und die Jubelisten huldigten laut ihrer Herrscherin. Ein unglaublich inszeniert wirkendes Schauspiel. Danach liefen Kanzlerdarstellerin und Ministerpräsidentendarsteller zusammen das Protokoll ab. Herrn Laschet dürfte dabei eines unsrerer „Merkel in den Knast!“-T-Shirt aufgefallen sein, denn er schaute sich kurz um, als könne er es nicht glauben. Unsere Bedenken waren nun in Luft aufgelöst und wir liefen mit vorn und hinten gut leserlicher Schrift auf unseren T-Shirts inmitten der CDU-Massen. Man kann sich sicher denken, wie die Reaktionen waren … unfassbar! Wir wurden unzählige Male fotografiert und mit teilweise aufgerissenen Augen angesehen. Von Kopfschütteln,Vogelzeigen und einigen verbalen Entgleisungen ließen wir uns nicht beeindrucken und posierten vor der Leinwand, die gerade die großen Errungenschaften der Kaiserin zeigte. Eine Stunde bewegten wir uns ungezwungen auf der Veranstaltung. Natürlich bekamen wir auch jede Menge Zustimmung. Diese – und das war das Erstaunlichste daran – kamen aber meistens durch Zublinzeln! Auch ein verstohlenes „Daumen hoch“ konnten wir beobachten. Die Angst, sich offen zu bekennen, sitzt tief! Unglaublich, wie ängstlich und feige die Menschen sind. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Es dürften uns schlußendlich doch die meisten gesehen haben. Es ist wohl müßig, über die Rede der Angebeteten zu sprechen. Sie lebt in ihrer eigen Welt, liest das AfD-Programm vor und vermittelt den Eindruck, als wäre sie für die letzten zwölf Jahre weder in Regierungsverantwortung gewesen, noch hätte sie mit der jetzigen Situation irgendetwas zu tun. Es geht uns doch gut, so der Tenor. Noch schlimmer zuvor – der im Schleim fast erstickende Laschet. Tja, das Arminchen ist ein besonderes Exemplar. Diederich Heßling war dagegen wohl ein armseliger Lehrling!

Das Zelt bebte, man feierte die Krönung, draußen gab es auch ein paar Klatscher und ein paar Menschen waren uns gegenüber durchaus verbal aggressiv. Alles in allem blieb es trotzdem friedlich, und so schlenderten wir, mit den Feuerwehrleutchen scherzend und posierend, zu unserem Wagen zurück. Ein – jedenfalls für uns – voller Erfolg! Ob wir irgendetwas bewirkt haben? Mit Sicherheit, denn die Leute wissen nun, daß man sehr wohl seinen Protest in dieser Form ohne Probleme zeigen kann.

Natürlich sind wir sehr traurig, daß sich nur wir drei zu dieser „Party des Selbstbetruges“ eingefunden haben, obwohl ich es Tage zuvor mehrfach auf Facebook und anderen Kanälen angekündigt hatte.

Die Sorge um unser Land und unsere Zukunft scheint die meisten nur noch rektal-peripher zu interessieren. Angst, Feigheit und Trägheit sind leider allgegenwärtige Eigenschaften der großen Mehrheit. Schade, denn es kann keiner sagen, er hätte nichts gewußt …

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Quelle: Zusendung durch einen Leser

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