Geld und Währung – Eine gemeinverständliche Darstellung

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Dr. Bang, PaulDer Redaktion wurde eine PDF-Datei zugesandt, die wir unseren Lesern auf keinen Fall vorenthalten wollen. Es handelt sich um die Schrift „Geld und Währung – Eine gemeinverständliche Darstellung“ aus dem Jahr 1932, verfasst von Herrn Oberfinanzrat Dr. Paul Bang.

In den 1920er und Anfang der 1930er Jahre war Deutschland in einem furchtbaren Zustand. Hyperinflation, Armut, Reparationen gemäß Versailles und mehr würgten das Land regelrecht ab. Dieses Buch ist ein wichtiges historisches Zeitdokument und zeigt dazu, dass Geld und Währung bereits damals ein heiß diskutiertes Thema waren. Wer im Zuge des Lesens Parallelen zur heutigen Zeit findet …

Diese PDF stellen wir hiermit zum Herunterladen zur Verfügung. Da wir allerdings davon ausgehen, dass eine Mehrheit unserer Leser ihre liebe Mühe mit der altdeutschen Frakturschrift hat, wird der Text Stück für Stück abgeschrieben und hier nach jeweiliger Fertigstellung kapitelweise zum Lesen bereitgestellt.

Die Redaktion

Teil 2: Inflation
Teil 3: Deflation
Teil 4: Geld
Teil 5: Währung
Teil 6: Goldwährung
Teil 7: Nationalwährung (folgt)


Dr. P. Bang: Geld und Währung – Eine gemeinverständliche Darstellung (1932)

I. Einleitung

Unsere Krankheit in Deutschland ist wahrscheinlich weniger böser Wille als Kenntnislosigkeit. Auch mit der Gesinnung allein, sei sie selbst die edelste, beste und reinste, lässt sich Deutschland nicht retten. Auch nicht mit flammenden Reden. Am allerwenigsten mit noch so gut gemeintem Dilettantismus. Man muss nicht nur wollen können, sondern auch können und wissen wollen.

Zu unserem Unglück kommt, dass es in Deutschland so viele Zeitgenossen gibt, deren Daseinszweck in der Spekulation auf die Dummheit der anderen besteht. Daran eigentlich sind wir zugrunde gegangen. Das Erleben des letzten Jahrzehnts zeigt übrigens, dass diese Spekulation die bei weitem Einträglichste ist.

Alles dies gilt in gesteigerten Maßen auf dem Gebiet des Wirtschaftlichen. Es gibt wahrscheinlich kein Volk, dass trotz seiner technischen und organisatorischen Fähigkeiten wirtschaftlich so ungebildet ist wie das deutsche. Man erlebt auf diesem Gebiete trotz all der bitteren Erfahrungen des letzten Jahrzehnts und trotz aller „Ohrfeigen der Weltgeschichte“ noch heute Erschütterndes bis in Kreise hinein, bei denen man solches nicht für möglich halten sollte. Vielen sind die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge unbekannt. Sie leben in Vorstellungen, die so naiv sind, wie etwa das Weltbild eines unschuldigen Kindes auf blumiger Wiese. Und je naiver sie sind, um so tiefer sind sie überzeugt von der Unfehlbarkeit ihrer eigenen Weisheit. Wo deshalb überhaupt über die Schwelle der eigenen Existenz hinaus gedacht wird, macht sich auch beim Fehlen bösen Willens ein Dilettantismus breit, der staunenswert ist. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass wir auf wirtschaftlichem Gebiete seit zwölf Jahren in der Blütezeit des Dilettantismus leben.

In Deutschland, wo sowieso der krauseste Unsinn geglaubt wird, wenn er in Druckerschwärze auftritt, braucht man das Widerspruchsvollste nur als „Problem“ auszumachen, um zu einer gläubigen Gemeinde zu gelangen. Wir brauchen hier ja nur an die sogenannten „Probleme“ unserer Erfüllungspolitik zu denken. Der Deutsche macht – oder lässt sich machen – ein „Problem“ nicht nur aus dem, was er nicht versteht, sondern aus den allereinfachsten Dingen, die für andere Selbstverständlichkeiten sind. So deckt sich gerade auf wirtschaftlichem Gebiete die Blütezeit des Dilettantismus mit der Blütezeit der „Probleme“. Wahrscheinlich wird gerade deshalb unsere eigene Existenz immer problematischer. Wir Deutschen müssen die verhängnisvolle literarische Verbildung unseres natürlichen Empfindens, die uns immer wieder zum Opfer der Schaumschlägerei von Maulhelden oder der Verlogenheit von Spekulanten macht, wahrhaftig bitter büßen.

Woran liegt denn im tiefsten Grunde unser Unglück? Doch schließlich daran, dass es bei uns zu viele gibt, die einfach nicht wissen, was mit ihnen vor sich gegangen ist und die nicht wissen und wissen wollen, was weiter mit ihnen vorgehen muss, wenn es in Politik und Wirtschaft so weitergeht wie bisher, dass es bei uns zu viele gibt, die allen Ernstes daran glauben, dass aus Disteln Rosen wachsen können, die an Aufstiege geglaubt haben und glauben, wenn in Wahrheit die Grundlagen einer Entwicklung in den Abgrund gelegt worden sind und die sich die Zipfelmütze immer wieder mit dem Troste über die Ohren ziehen: es „muss“ doch nun endlich wieder einmal bergauf gehen.

Nein, und tausendmal nein, es „muss“ nicht besser werden. Ganz im Gegenteil! Es „muss“ ohne Beseitigung der Ursachen unserer Not noch schlimmer werden. Das Glauben an die sogenannte „Evolution“, dass alles von allein wieder gut werde, ist echter deutscher Aberglaube. In seiner parteipolitischen Fassung wird er zum Wahnsinn oder zum Verbrechen. Bei den öffentlichen Dingen vergisst der Deutsche die natürlichen Lebensgrundsätze, die ihm in seinem Privatleben Selbstverständlichkeiten sind. Der Durchschnittsdeutsche führt gewissermaßen ein Doppelleben. Als Privatmann ein vernunftgemäßes, bei dem 2 x 2 = 4 ist und als „souveränes“ Mitglied des öffentlichen Wesen ein unvernünftiges, ein geistig und seelisch entgleistes, bei dem 2 x 2 = 5 ist.

Wie soll es aber ohne Kenntnis und ohne Einsicht zur Willensbildung überhaupt kommen? Steht es mit der geschlossenen Willensbildung schon auf politischem Gebiete bei uns traurig genug, wie viel mehr noch auf wirtschaftlichem! Hat es denn bei uns in den letzten zwölf Jahren überhaupt noch wirtschaftliche Willensbildung gegeben? Doch immer wieder nur nach der negativen Richtung! Man kann ein hervorragender Privatwirtschaftler und dabei doch ein volkswirtschaftlicher Versager sein.

Warum musste denn bisher bei uns alles schlimmer werden? Weil wir im Banne zweier historischer Lügen stehen, die uns mehr und mehr um den gesunden Menschenverstand und um den gesunden Selbsterhaltungstrieb gebracht haben und die uns umbringen werden, wenn wir weiterhin zu feige sind, sie zu beseitigen: Der Kriegsschuldlüge und der Wirtschaftslüge des Marxismus.

Beide zehren an unserem Leben, beide saugen uns das Blut aus, beide machen das ganze Volk und jeden einzelnen Volksgenossen bankrott, beide führen uns in Hunger und Not und schließlich zu dem ersehnten Ziele gewisser Zeitgenossen: dahin, dass wir uns gegenseitig totschlagen.

Das gefährlichste wirtschaftliche Mittel dieser beiden Lügen ist das der Blutvergiftung. Das Blut eines Wirtschaftskörpers ist das Geld. Unser Geld ist vergiftet. Während der ersten sechs Jahre nach dem Umsturz ist es vergiftet worden durch das, was man Inflation nennt. Während der nächsten sechs Jahre ist es vergiftet worden durch fremde Einspritzungen.

Wir waren in Wahrheit schon Ende 1923 sozusagen entgeldet und außerdem entkapitalisiert und haben dann von 1924 ab gelebt von fremdem Gelde und von fremdem Kapital. Von 1918 bis 1924 haben wir die letzten Reste des großen Erbes unserer Väter verschleudert und verwüstet und haben unsere eigene Kaufkraft erschlagen, wie Kain den Abel erschlug. Und von 1924 bis 1931 haben wir, um die Erfüllungspolitik, also um die Kriegsschuldlügenwirtschaft und um die marxistische Lügenwirtschaft fortsetzen zu können, gelebt von geborgter Kaufkraft.

Wir leben deshalb seit Jahren in einer fortgesetzt sich steigernden Fälschung aller Wirtsschaftsbilder, leben in einer einzigen großen Lüge, angefangen vom Staatshaushalt bis zum Haushalt des letzten Tagelöhners. Keine Bilanz im Deutschen Reiche ist in Wahrheit seit einem Jahrzehnt mehr richtig, weil sie nicht mehr richtig sein kann.

Die durch eine falsche Geldbrille gesehenen Wirtschaftsbilder sind dazu bei uns zu einer steten Quelle fortgesetzter gesetzgeberischer Verirrungen geworden. Das gesamte aufgeblähte Gesetzgebungswerk der letzten zwölf Jahre hängt gewissermaßen in der Luft. Aus Zeitkrankheiten haben wir Gesetze gemacht.

Geldverfälschung aber ist Wirtschaftsverfälschung und zugleich Moralverfälschung. Bei der marxistischen Enteignungspolitik, die bis Ende 1923 als Geldschwundpolitik auftrat und seit 1924 als geborgte Kaufkraft arbeitet, wird schließlich alles, auch die Produktion, zur Spekulation.

Das Schlimmste bei alledem ist, um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, dass viele nicht wissen, was Geld eigentlich ist. Gewiss sind die Fragen des Geldes und der Währung die schwierigsten und heikelsten Fragen der Volkswirtschaft. Offenbar beschäftigen sich gerade deshalb mit ihnen viele von denjenigen, die auch nicht eine annähernde Vorstellung vom Wesen der Dinge haben.

Goethe hat einmal gesagt, es sei das Wesen des Dilettanten, dass er die Schwierigkeiten nicht kenne, die in einer Sache liegen. Es liegt wohl auch in der Natur der Sache, dass je größer der Dilettantismus, desto geräuschvoller die eitle Großmäuligkeit, mit der er auftritt und desto anspruchsvoller die Unmaßlichkeit, mit der er sich als Lebens- und Wirtschaftsretter spreizt. Es nehmen sich bei uns zu viele selber ernst.

[nächstes Kapitel: Inflation]


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