Geld und Währung: Goldwährung

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In den 1920er und Anfang der 1930er Jahre war Deutschland in einem furchtbaren Zustand. Hyperinflation, Armut, Reparationen gemäß Versailles und mehr würgten das Land regelrecht ab. Dieses Buch ist ein wichtiges historisches Zeitdokument und zeigt dazu, dass Geld und Währung bereits damals ein heiß diskutiertes Thema waren. Wer im Zuge des Lesens Parallelen zur heutigen Zeit findet …

Diese PDF stellen wir hiermit zum Herunterladen zur Verfügung. Da wir allerdings davon ausgehen, dass eine Mehrheit unserer Leser ihre liebe Mühe mit der altdeutschen Frakturschrift hat, wird der Text Stück für Stück abgeschrieben und hier nach jeweiliger Fertigstellung kapitelweise zum Lesen bereitgestellt.

Die Redaktion

Teil 1: Einleitung
Teil 2: Inflation
Teil 3: Deflation
Teil 4: Geld
Teil 5: Währung
Teil 7: Nationalwährung (folgt)


Dr. P. Bang: Geld und Währung – Eine gemeinverständliche Darstellung (1932)

VI. Goldwährung

Wir haben in Deutschland die Goldwährung. Der Youngplan legt uns darauf fest. Auf die Fragen der Goldrandwährung, Goldkernwährung und auf die rein technische Seite des Problems gehe ich hier nicht ein.

Was heißt das nun: wir haben die Goldwährung? Das heißt materiell folgendes: sämtliche Güterwerte in Deutschland werden am Goldpreise gemessen. Dieser Goldpreis ist international festgelegt. Für uns in Deutschland ist er festgelegt auf folgende Formel:

1 kg Feingold = 2.784 Mark.

Danach ist also 1 Mark = 2.784 kg Feingold. 1 Pfund Sterling ist z.B. 7 ¼ g Feingold, usw..

Wir haben damit also in Wahrheit einen konkreten Gewichtsbegriff als Wertmaßstab. Ferner: stabilisiert ist bei der Goldwährung lediglich der Preis des Wertmaßstabes, nicht aber ist stabilisiert die Kaufkraft dieses Wertmaßstabes. Nicht stabilisiert ist also die Kaufkraft unseres Zahlungsmittels.

Die Stabilisierung des Wertmaßstabes ist zudem dadurch geschehen, dass man einen Trick anwendete. Wenn man nämlich 1 kg Feingold gleichsetzt mit 2.784 Mark, hat man in Wahrheit den „Preis“ für 1 kg Gold auf 1 kg Gold festgelegt. Wir haben in Wahrheit also einen konkreten Gewichtsbegriff, aber keinen konkreten Wertbegriff als Grundlage unserer Währung.

Auf die verhängnisvollen Folgen der Auswechslung der Begriffe „Preis“ und „Wert“ auf den Preisstand eines Volkes sei hier nicht näher eingegangen. Nur das eine sei gesagt: unsere Preise sind demnach der Vergleichswert zwischen einer Ware und dem Metall Gold.

Wir benutzen also die Maßeinheit des Goldes als Wertmaßstab für alle anderen Güter. Die nächste Folge ist, dass das Steigen des Preises unserer Güter lediglich ein Ausdruck für das Fallen des Wertes des Goldes ist und dass das Fallen des Preises unserer Güter lediglich ein Ausdruck für das Steigen des Wertes des Goldes ist.

Mit anderen Worten: die Preisänderung unserer Waren und Güter ist in Wahrheit Wertänderung des Goldes. Unter Warenpreis verstehe ich hier nicht den Preis der einzelnen Ware, sondern dass allgemeine Preisniveau der Wirtschaft. Dieses allgemeine Preisniveau lässt sich feststellen am Durchschnittspreis der Waren, der sich berechnen lasse an den Preisen gewisser lebenswichtigen Waren.

Einen solchen Durchschnittspreis nennt man den Preisindex. Das allgemeine Preisniveau bildet sich nur durch Angebot und Nachfrage von Zahlungsmitteln. Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus kommen also nur von der Geldseite, nicht von der Warenseite! Darauf wird unten näher eingegangen.

Heute bestimmt also der Goldwert unsere Preise. Da wir aber nun auf das Steigen oder Fallen des Goldwertes keinen Einfluss haben, weil wir selbst ja kein Gold haben, werden in Wahrheit unsere Preise von fremden Mächten bestimmt. Das heißt aber, dass unsere Produktion unter fremdem Kommando steht.

Dass es sich bei den Preisveränderungen der Waren nicht um Produktionsvorgänge, sondern im wesentlichen um monetäre Vorgänge handelt, dass also Preisveränderungen nicht von der Warenseite, sondern von der Geldseite herkommen, ist heute auch wissenschaftlich noch kaum bestritten.

Insbesondere hat Professor Gustaf Cassel in Stockholm wesentliche Verdienste um die wissenschaftliche Ergründung dieses Problems. Er hat kürzlich wieder ausgeführt, dass es sich z.B: bei Preissenkungen nicht etwa, wie viele bisher angenommen hätten, um Verbilligung infolge technischer Fortschritte, insbesondere der Produktionsmethoden, udgl. handelt.

Der allgemeine Preisindex für Großhandelswaren habe 1910 auf demselben Niveau gestanden wie 1850 trotz der technischen Fortschritte, die sich während dieser Zeit vollzogen hätten, und trotz gewaltigster technischer Fortschritte sei während der Zeit von 1895 bis 1914 das allgemeine Preisniveau gestiegen.

Die Vorstellung eines stabilen Wertes des Goldes ist in der Tat Unsinn. Der wohl hervorragendste angelsächsische Währungstheoretiker Irving Fisher sagt kurz und bündig:

„Die Idee, dass Gold zu unserem Standard gewählt worden ist, weil es nach seinem Werte stabil sei, ist ein Mythos.“

Festhalten wollen wir hier lediglich die Erkenntnis: was wir nötig haben, ist nicht die fiktive Stabilisierung des Preises der einen Ware Gold, sondern die Stabilisierung der Kaufkraft des Geldes, ganz gleichgültig, wie die Rechnungseinheit festgestellt wird, in der die Warenpreise ausgedrückt werden. Dass das möglich ist, sei im nächsten Kapitel gezeigt.

Vorher sei noch ein verhängnisvoller Irrtum beseitigt. Es gibt Leute, die der Meinung sind, dass bei der Goldwährung die Golddeckung eine Inflation unmöglich mache. Dass das eine sinnlose Vorstellung ist, mag sich aus folgendem Beispiel ergeben:

Wir sind ein Land mit etwa 64 Millionen Einwohnern. Wir haben nach wirtschaftlichen Berechnungen einen Geldumlauf von etwa 6 bis 7 Milliarden nötig. Nun nehmen wir einmal an, wir entdecken in Deutschland ein außerordentlich fündiges Goldbergwerk und kämen auf den Gedanken, daraufhin 50 Milliarden Geld auszugeben und dieses Geld nicht nur zu 1/3, auch nicht nur 100-prozentig, sondern zu 500 Prozent zu „decken“. Kein vernünftiger Mensch wird dann bestreiten, dass wir trotz dieser Überdeckung mit dem edelsten Metall Gold eine wahnwitzige Inflation hätten!

Die Ablehnung der Goldwährung hat also absolut nichts mit den Fragen Inflation oder Deflation zu tun. Auch Professor Gustaf Cassel schreibt neuerdings (Deutsche Bergwerks-Zeitung Nr. 272 vom 20.11.1931):

„Verzicht auf Golddeckung ist etwas grundsätzlich anderes als Inflation! Die Tatsache, dass sich ein Staat von der Goldwährung abwendet, bedeutet durchaus noch nicht, dass er damit die Inflation entfesselt und den Binnenwert seiner Währung herabsetzt.“

Man liest oft Vorschläge, die dahin gehen, man solle doch z.B. die Aufwertungshypotheken ablösen mit staatlichem Währungsgeld und diese Hypotheken zur Grundlage des ausgegebenen Währungsgeldes machen. Das könne doch unmöglich Inflation sein, denn das ausgegebene Geld sei ja 100-prozentig durch sicherste Werte „gedeckt“.

Oder man liest etwa Vorschläge wie den: man solle doch beim Bau eines Hauses Kassenscheine an die Lieferanten und Mitarbeiter ausgeben, denn diese Scheine seien doch durch den Wert des Grundstückes 100-prozentig „gedeckt“ und das könne doch keine Inflation geben.

Selbstverständlich würde das der Fall sein. Ist an sich schon, wie im Abschnitt IV bereits dargelegt, der Gedanke einer Baumark oder Bodenmark oder Hypothekenmark usw. eine Sinnlosigkeit, weil er mit dem Wesen des Geldes überhaupt nichts zu tun hat und Geld mit Kapital und Kredit verwechselt, so würde in der Tat auf allen diesen Wegen der betrügerischen Inflation Tür und Tor geöffnet.

Nehmen wir einmal den viel verbreiteten Vorschlag, Geldzeichen aufgrund der kapitalisierten Hauszinssteuer herzustellen. Die Hauszinssteuer erbrachte 1928 rund 1.674 Millionen Mark. Nehmen wir ihren heutigen Ertrag nur mit 900 Millionen an. Bei 5 Prozent würde ihr kapitalisierter Wert also 18 Milliarden Mark betragen.

Zu den 4,5 Milliarden Geldnoten würden dann also 18 Milliarden stoßen, so dass wir einen Geldumlauf von 22 bis 23 Milliarden hätten. Es bedarf keiner Darlegung, dass wir damit die Betrugswirtschaft der Inflation in schönstem Ausmaße hätten!

Vorstellungen dieser Art sind, wie sich schon aus den bisherigen Ausführungen ergibt, schlechthin laienhafte Irrtümer. Inflation und Deflation haben nicht das allergeringste mit der Art der betreffenden Währung oder mit der „Deckung“ der betreffenden Währung oder mit irgendetwas dergleichen zu tun.

Inflation und Deflation bedeuten lediglich und ganz ausschließlich eine Störung des Verhältnisses zwischen Warenumlauf und Geldumlauf, ganz gleichgültig wie das betreffende Geld aussieht, wie also die Währung konstruiert ist. Und ganz gleichgültig, wie etwa eine „Deckung“ dieser Währung aussieht. Im Gegenteil!

Gerade die „Deckung“ kann zur Währungsgefährdung führen. Wie früher bereits gezeigt, ist es das Wesen der „Deckung“, dass sich der Geldumlauf nicht nach dem Wirtschaftsbedarf, sondern nach der Starrheit einer Deckungsgrenze richten muss.

Die schweren Nachteile der Goldwährung ergeben sich aus dem Vorstehenden von selbst. Ich fasse hier nur zwei Punkte zusammen:

1. Da wir selbst kein Gold haben, müssen wir uns das Gold kaufen oder zu hohen Zinsen borgen.
2. Wie schon oben erwähnt, können fremde Gewalten durch Verlängerung oder Verkürzung der Gelddeckung unmittelbaren Einfluss auf unsere Wirtschaft nehmen.

Ergänzend sei noch angemerkt, dass der internationale Goldstandard heute eigentlich schon erledigt ist. Zum internationalen Goldstandard gehört unter allen Umständen eine sachgemäße Verteilung des Goldes, sein unbeschränkter Umlauf. Der aber ist aufgehoben, nicht zuletzt durch die Währungspolitik Frankreichs. Damit ist der internationale Goldstandard bereits erledigt.

Der englische Volkswirtschaftler John Maynard Keynes führt aus, dass der internationale Standard überhaupt kein idealer Standard sei. Ein nationaler Geldstandard setzt die Wirtschaft bei weitem nicht den Erschütterungen aus, wie ein starrer internationaler. Keynes fragt:

„Ist es weise, ein Währungssystem zu haben, das weiter reicht als das nationale Zollsystem oder das nationale Lohnsystem?“

In demselben Sinne hat Hugenberg erklärt:

„Jede selbstständige Volkswirtschaft muss ihre eigenen Währungen haben. Die Verknüpfung verschiedener Währungen miteinander ist ein Unglück.“

[Fortsetzung folgt, nächstes Kapitel: Nationalwährung]


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