Ronald Stöferle: Die Zentralbanken können nur verlieren

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Claudio Grass, Global Gold: Herr Stöferle, es freut mich sehr, dass wir heute die Gelegenheit für ein Interview haben. Wir kennen uns schon seit langer Zeit, sowohl auf beruflicher als auch auf persönlicher Ebene. Die Zentralbanken sind der Grund dafür, dass unsere Wirtschaft heute von künstlichen Impulsen abhängt und negative Zinssätze zu einer verbreiteten Erscheinung geworden sind. Wie würden Sie die Konsequenzen dieser Politik zusammenfassen?

R. Stöferle: Ich habe es schon immer für unmöglich gehalten, ein „selbsterhaltendes“ Wirtschaftswachstum mit Hilfe der Druckerpressen zu schaffen. Mit ihrem Kurs ist es den Zentralbanken gelungen, die Symptome zu unterdrücken, doch die zugrunde liegenden strukturellen Probleme, die überhaupt erst zur Finanzkrise von 2008 geführt haben, haben sich seitdem nur weiter verschärft.

Das Hauptziel – die Stimulierung der Konjunktur – wurde nicht erreicht. Die niedrigen Zinssätze waren eine künstlich lebenserhaltende Maßnahme für unproduktive und hochverschuldete Unternehmen sowie auch für die Staaten selbst. Nach Angaben von Standard & Poor’s wären die Haushaltsdefizite in der Eurozone im Schnitt um 1-2% des Bruttoinlandsproduktes höher, wenn die Zinssätze heute auf dem durchschnittlichen Niveau von 2001 bis 2008 lägen. Unter normalen Marktbedingungen steigen die Aktienkurse aufgrund einer fundamentalen Stärke der Wirtschaft. Die heutige Realität ist jedoch, dass die höheren Preise finanzieller Vermögenswerte die Marktteilnehmer über die grundlegende Schwäche der Wirtschaft hinwegtäuschen.

Es ist eine äußerst besorgniserregende Tatsache, dass die Kurse wahrscheinlich abstürzen werden, sobald die Zentralbanken die künstliche Unterstützung beenden. Die hohen Preise an den Finanzmärkten sind zum entscheidenden Faktor für das Vertrauen in die Wirtschaftskraft geworden und die Mehrheit der Investitionen in Aktien und Immobilien wurde mit Hilfe günstiger Kredite finanziert. Die Beendigung der Niedrigzinspolitik würde daher wahrscheinlich eine ernste Rezession auslösen.

Die Fortsetzung der aktuellen Zinspolitik wird die Wirtschaftsstrukturen auf der anderen Seite jedoch zunehmend verzerren und zersetzen und dadurch das Geschäftsmodell von Rentenfonds, Versicherungsgesellschaften und Banken gefährden. Zudem werden die Spekulationsblasen an den Immobilien- und Aktienmärkten weiter aufgepumpt. Die niedrigen Zinsen haben das System so anfällig und brüchig gemacht, dass sich die Zentralbanken praktisch in einer „Lose-Lose-Situation“ befinden.

Global Gold: Glauben Sie, dass den Zentralbanken noch andere Optionen offenstehen, oder haben sie alle Möglichkeiten bereits ausgeschöpft?

Mr. Stöferle: Die Notenbanken haben durchaus noch verschiedene Möglichkeiten zur weiteren Lockerung der Geldpolitik. Beispielsweise könnten sie die Zinssätze einfach noch tiefer in den negativen Bereich absenken. Um allerdings die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Banken die Negativzinsen an ihre Kunden und deren Sparkonten weitergeben könnten, müsste zuerst das Bargeld abgeschafft werden, um einen Run auf die Banken zu verhindern.

Wir können bereits die ersten Anzeichen solcher Bestrebungen erkennen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die Umsetzung derart harter Maßnahmen gelingen kann, ohne noch größere Unruhen hervorzurufen. Schließlich erleben wir schon jetzt die zunehmende Verbreitung einer gegen das Establishment gerichteten Stimmung. Davon abgesehen wurden Negativzinsen mittlerweile in fünf verschiedenen Währungsräumen eingeführt, ohne dass dies beachtenswerte positive Auswirkungen auf das Wachstum und die Inflationsraten gehabt hätte.

„Helikoptergeld“ ist in diesem Zusammenhang die wahrscheinlichere Option, z. B. in Form von Geldtransfers an die Regierungen oder die privaten Haushalte, quantitativen Lockerungen in Kombination mit expansiver Fiskalpolitik, oder der Annullierung ausstehender Schuldverschreibungen, die die Zentralbanken in ihren Bilanzen führen. Einige führende Ökonomen argumentieren, dass Helikoptergeld legal betrachtet möglich ist und die Zentralbanken über das entsprechende Mandat verfügen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Inflationsrate in einem solchen Szenario steigen würde, doch der Wachstumsimpuls wäre abhängig davon, wie das Geld ausgegeben wird.

Die einfachste Maßnahme ist die sogenannte Forward Guidance, eine Form der Kommunikation, die die Erwartungen der Marktteilnehmer beeinflusst. Theoretisch wären auch Offenmarktgeschäfte möglich, die den Kauf von Gold beinhalten, was einer bewussten Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold gleichkäme. Fakt ist auf jeden Fall, dass weitere monetäre und fiskalpolitische Maßnahmen spätestens dann beschlossen werden, wenn die gefürchtete Rezession beginnt.

Global Gold: Die Geldpolitik ist nur eines von verschiedenen Mitteln zur finanziellen Repression bzw. eines der Instrumente, auf die ein Staat zurückgreifen kann, wenn er sich seine eigenen Ausgaben einfach nicht mehr leisten kann. Welche anderen Instrumente gibt es und was können Investoren tun, um sich davor schützen?

Mr. Stöferle: Die künstliche Absenkung der Zinssätze und Inflation sind beides Formen der finanziellen Repression, denn sie kommen den Schuldnern zugute und benachteiligen die Sparer. In einem extremen Szenario, in dem die Zinsen negativ sind und das Bargeld abgeschafft wurde, können wir davon ausgehen, dass auch die nominellen Zinsen, die ein Sparer auf seine Bankeinlagen erhält, negativ werden.

Die Liste der potentiellen Mittel zur finanziellen Repression ist sehr lang und enthält unter anderem auch das Verbot von Goldbesitz. Unter den aktuellen Bedingungen und der extremen Verschuldung kann das Überleben des Systems jedenfalls nur durch eine Kombination aus Wirtschaftswachstum und finanzieller Repression gesichert werden.

Sparer und Anleger sollten sich also unbedingt der Fallen bewusst sein, die in großen Teilen des Anleihemarktes lauern, z. B. in Form von vermeintlich risikofreien Staatsanleihen. Außerdem sollten sie sich mit Investmentoptionen auseinandersetzen, die vor den zudringlichen Händen des Staates gefeit sind. Obwohl auch der Besitz von Gold gesetzlich eingeschränkt werden könnte, ist das Edelmetall noch immer ein sicherer Vermögenswert, wenn es in Form von Münzen oder Barren erworben wird.

In den Augen der Skeptiker stellt Gold zwar eine seltsame Anlageform dar, weil es keine Rendite generiert, doch mittlerweile ist Gold relativ attraktiv geworden, weil es auch keine Zinszahlungen erfordert. Sollte die finanzielle Repression auf dem Weg der Verbraucherpreisinflation verwirklicht werden, ist es natürlich ratsam, das gesamte Spektrum an Assets in Betracht zu ziehen, die üblicherweise stark auf inflationäre Tendenzen reagieren, z. B. Silber, die Aktien der Minengesellschaften etc. Ganz allgemein sollten Kapitalanlagen unbedingt diversifiziert werden – auch geografisch – und mit Blick auf verschiedene Szenarios widerstandsfähig gemacht werden.

Global Gold: Kommen wir nun zu einer Frage, die viele unserer Leser beschäftigt: Stehen wir kurz vor einer Rezession?

Mr. Stöferle: Die Finanzkrise von 2008 war das Ergebnis eines nicht langfristig tragbaren Booms, der durch die lockere Geldpolitik ausgelöst wurde. Das kreditbasierte Kartenhaus stand kurz vor dem Einsturz. Um eine Katastrophe abzuwenden, haben die Zentralbanken die Dosis an lockerem Geld in Form der Nullzinspolitik und der QE-Maßnahmen erhöht. Das ist vergleichbar mit dem Versuch, einen Brand mit Gas zu löschen. Wie ich bereits gesagt habe – die Kurse werden künstlich nach oben getrieben und wenn diese zusätzliche Unterstützung wegfällt, könnte das einen Börsencrash auslösen, welcher höchstwahrscheinlich eine Rezession nach sich zieht.

Auch ein Vertrauensverlust der Anleger könnte zum Rückgang der Assetpreise führen. Das Narrativ, das im Moment alles zusammenhält, ist, dass die (neo-)keynesianische Politik geeignet ist, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Die Vereinigten Staaten, in denen die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen zuerst zur Anwendung kamen, und wo die Wirtschaft seitdem wieder etwas erstarkt ist, spielen für die Zeit seit der Lehman-Krise eine wichtige symbolische Rolle. Die Federal Reserve leistet derzeit Pionierarbeit auf dem Weg zur Normalisierung der Geldpolitik. Allerdings ist es meiner Ansicht nach äußerst unwahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft das verkraften würde.

Global Gold: Vor Jahrzehnten haben sich unsere Regierungen entschieden, den Goldstandard zugunsten des aktuellen Fiatgeldsystems aufzugeben, da sie hofften ihre Währungen, insbesondere den US-Dollar, auf diese Weise retten zu können. Alan Greenspan hat vor Kurzem während eines Interviews mit Bloomberg erwähnt, dass sich die Wirtschaft in der Zeit des Goldstandards gut entwickelt hat und schlug überraschend eine Rückkehr zu diesem System vor. Wie denken Sie darüber?

Mr. Stöferle: Der „Maestro“ war schon in frühen Jahren ein Fan von Gold. Sein Essay „Gold and Economic Freedom“ aus dem Jahr 1966 zählt zum Besten, was je zum Thema Gold publiziert wurde. Damals kritisierte er die Geldschöpfungsmethode des auf Mindestreserveanforderungen beruhenden Bankensystems und wies darauf hin, dass das mögliche Kreditvolumen in einer Wirtschaft durch fassbare Vermögenswerte begrenzt ist, wenn ein Goldstandard besteht.

Erst das Ende des Goldstandards bereitete den Weg für die unkontrollierte Ausweitung der Kredite, die nun an ihre Grenzen stößt. Meiner Ansicht nach befinden wir uns in einer Situation von historischer Bedeutung, die zu einer Neuausrichtung des Währungssystems führen wird. Ich sehe keinen anderen Weg, der das Überleben des Kreditsystems ermöglicht.

Global Gold: Vor wenigen Wochen überraschten die Briten uns mit ihrer Entscheidung die EU zu verlassen. Die Märkte brachen ein und der Wert des britischen Pfundes fiel im Verhältnis zum US-Dollar auf ein 30-Jahrestief. Dazu muss man aber auch sagen, dass das Pfund stark überbewertet war. Die Goldnachfrage ist unterdessen deutlich angestiegen. Haben Sie mit diesen Auswirkungen des Abstimmungsergebnisses auf die Märkte gerechnet? Welche Entwicklungen erwarten Sie in Zukunft?

Mr. Stöferle: Wie viele andere auch habe ich eigentlich nicht mit dem Brexit gerechnet. Doch die darauf folgenden Marktbewegungen haben mich nicht im Geringsten überrascht. Der Brexit hat die Unsicherheit in einer Welt erhöht, die sich bereits am Rande des Chaos befindet und in diesem Kontext ist es keineswegs verwunderlich, dass der Kurs der britischen Währung einbrach, während Gold neuen Schwung bekam.

Was die zukünftigen Trends angeht gibt es einfach zu viele Variable, um eine zuverlässige Vorhersage zu wagen.

Wer wird über den Brexit verhandeln? Welche Vereinbarung werden die Parteien treffen? Wird es sich nur dem Namen nach um einen Austritt aus der EU handeln, während die wirtschaftlichen Bedingungen für das Vereinigte Königreich und die EU-Staaten größtenteils unverändert bleiben? Oder werden die europäischen Führungskräfte Großbritannien bestrafen wollen? Wie wird die EU reagieren? Werden sie den Brexit als Anlass zur weiteren Integration, Zentralisierung und Bürokratisierung nehmen oder werden sie ihn als Weckruf verstehen und die Macht wieder stärker von Brüssel auf die Nationalparlamente übertragen? Wird sich der Brexit für Großbritannien als die bessere Option erweisen? Wird es auch in anderen EU-Staaten zu Volksabstimmungen kommen?

Es gibt zu viele offene Fragen, um die langfristig Resultate einzuschätzen. Allgemein lässt sich jedoch feststellen, dass die Unsicherheit den Goldpreis unterstützt.

Global Gold: Wie Sie wissen glaube ich, dass die Märkte heutzutage hauptsächlich von der Geopolitik und den Entscheidungen der Zentralbanken beeinflusst werden. Ist Gold in Anbetracht der eben diskutierten Entwicklungen wieder im Geschäft? Wie gehen Sie als Portfolioverwalter mit Goldinvestments um, wenn es darum geht, Anlagen zu diversifizieren?

Mr. Stöferle: Als Anhänger der Österreichischen Wirtschaftsschule beschäftige ich mich weniger mit exakten Preisprognosen als vielmehr mit den Kursentwicklungen, die aus den Handlungen und Entscheidungen von Einzelpersonen und Politikern resultieren. Allerdings bin ich überzeugt, dass Gold zumindest mittelfristig über ein enormes Aufwärtspotential verfügt.

Nach Jahren der sinkenden Inflationsraten und der starken Dollarkurse, in denen sich die Marktteilnehmer in einem falschen Gefühl von Sicherheit wiegten, hat sich der Trend in Bezug auf die Inflation nun umgekehrt und die ersten Zweifel an der Geschichte vom wirtschaftlichen Wiederaufschwung werden laut. In unserem Bericht „In Gold We Trust 2016“ nennen mein Geschäftspartner Mark Valek und ich ein Kursziel von 2.300 US-Dollar je Unze im Juni 2018.

Im Zusammenhang mit einem Portfolio hat Gold viele wünschenswerte Eigenschaften. Da es nur eine sehr geringe oder selbst negative Korrelation zu anderen Vermögenswerten aufweist, kann es helfen ein Portfolio zu stabilisieren und auszubalancieren. In Krisenzeiten und bei Marktturbulenzen kann ein Ausbau der Positionen in Gold, Goldderivaten und den Aktien der Minengesellschaften höhere Gewinne generieren.

Global Gold: Vielen Dank, dass Sie Ihre Gedanken mit uns geteilt haben!

Quelle: Goldseiten


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