Stephen Leeb: Der größte Jackpot der Geschichte und seine katastrophalen Folgen

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Von Stephen Leeb

Vor fast genau 45 Jahren, im August 1971, nahm Präsident Nixon die USA aus dem Goldstandard. Die USA lösten keine Dollars mehr gegen Gold zu einem festen Preis von $ 35 die Unze ein, wozu sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet hatte. Und das stellte sich als der größte Jackpot der Geschichte heraus – mit all der Euphorie und all den unbeabsichtigten verheerenden Konsequenzen.

Sobald der Dollar und Gold nicht mehr an einander gebunden waren, gab es für die USA keine Beschränkung mehr so viel Geld zu drucken, wie sie wollten. Es war als hätte man eine Kreditkarte, deren Grenze der Himmel ist. Denn trotz der nicht mehr vorhandenen Goldbindung blieb der Dollar de facto die Weltreservewährung – dank der wirtschaftlichen und militärischen Dominanz der USA. Es war die einzige Währung, die den Menschen überall genehm war, nicht nur für internationale Transaktionen, sondern manchmal sogar innerhalb gewisser Länder.

Aber wir haben unsere Identität verloren. Nach 1971 wurde unsere Sparkultur durch eine Ausgabenkultur und die Suche nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung ersetzt und die langfristige Planung flog zum Fenster hinaus.

Unser Gesundheitssystem ist ein Beispiel dafür. Statt der umsichtigen Planung, mit der sich europäische und japanische Gesundheitssysteme auszeichnen, nahmen wir an: je mehr Geld wir ausgeben, umso besser. Heute liegen die Pro-Kopf-Ausgaben in den USA weit höher, als im privat orientierten System in der Schweiz und den Regierungssystemen in Britannien und Japan – während die Lebenserwartung hierzulande deutlich niedriger ist, als in jedem anderen entwickelten Land.

Wovon unser Gesundheitssystem dagegen mehr zu bieten hat, ist Komplexität des Managements und Regulation – von PBMs, über Versicherungsunternehmen, Krankenhäuser, Händlern, bis zu wahnsinnig komplizierten Zahlungsplänen. Eine Ebene über der nächsten und auf jeder finden sich Manager, Regulatoren und leitende Angestellte – was Kosten und Gehälter produziert, die jene eines jeden anderen Landes in den Schatten stellen. Wir haben ein derart komplexes System errichtet, einfach nur weil wir es konnten. Wir hatten das Geld und konnten es verschwenden und es ist einfacher Geld zu verschwenden, als Dinge gründlich zu durchdenken. Eine besonders schockierende Statistik besagt, dass laut der WHO die sogenannte »gesunde Lebenserwartung« in China und den USA etwa dieselbe ist.

Nimm das Geld und lauf

Wenn Geld so leicht zu bekommen ist, dann überrascht es kaum, dass die Herausgeber dieses Geldes mit dem größten Anteil davon dastehen. Unsere Finanzindustrie – Banken, Kreditkartenunternehmen, private Aktienfirmen, Versicherer, Hedgefonds, Vermögensverwalter, etc. – zeichnet für rund 25 Prozent der Unternehmensgewinne in den USA verantwortlich. Weltweit liegt dieser Wert bei unter 10 Prozent. Noch hervorstechender ist, dass das von den Teilnehmern innerhalb der Finanzindustrie nach Hause gebrachte Geld beinahe 10 Prozent des BIP ausmacht.

Was hat ein Land als solches von all dem in seinem Finanzsektor verschwendeten Geld? Wenig bis gar nichts. Nano-Trading, bei dem Computer jede Sekunde unzählige Handelsvorgänge machen, ist ein entsetzliches Beispiel. Die gutbezahlten Händler profitieren und alle anderen enden als Kofferträger. Was diese ganzen hochtrabenden, komplexen Finanzprodukt-Angebote angeht – nun, die Folgen haben wir 2008 gesehen.

Die enorme Menge Geld die zu den Urhebern zurückfließt, erklärt warum das Einkommensungleichgewicht hier größer ist als in jedem anderem entwickelten Land. Eine derartige Ungleichheit passt genau zum Scheitern unseres Gesundheitssystems: die Lebenserwartung und der Platz in der Einkommensskala stehen auf der ganzen Welt direkt miteinander in Verbindung.

Heute, 45 Jahre nachdem wir weggeschmissen haben, was manche als »barbarisches Relikt« bezeichnet haben, stehen wir womöglich an der Schwelle dazu, eine barbarische Zivilisation zu werden. Die Tage des Dollars als Weltreservewährung sind gezählt.

Katastrophal für den Dollar

Entweder wird der Zorn des Mittelstands aufgrund seiner Verarmung überkochen und es politisch notwendig machen, Schulden aufzulösen und so eine massive Inflation auslösen. Oder, was wahrscheinlicher ist, die Ressourcenknappheit wird ein großes Gedrängel auslösen, was ebenfalls zu einer hohen Inflation führt. Beides wäre für den Dollar katastrophal.

Indem wir uns der Fähigkeit augenblicklich Geld zu schöpfen hingaben, haben wir uns jeglicher langfristigen Perspektive beraubt. Dies zeigt sich besorgniserregend deutlich darin, wie zunehmend abhängig für notwendige Ressourcen die USA von anderen Ländern geworden sind. Seit 20 Jahren zeigt sich, dass wir mehr als 50 Prozent unseres Bedarfs importieren. Dies sind jene Ressourcen, von seltenen Erden, über Silber, bis zu Kupfer, die für unsere Computer, für elektrische Autos und für die Zukunft benötigt werden. Und wir haben nicht annähernd genügend davon.

Der Weg

In den USA dienen Computer hauptsächlich dazu, den wachsenden Appetit nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung zu sättigen. China dagegen nutzt Computer, um seine langfristige Zukunft zu sichern – und es baut mittlerweile schnellere als wir. China plant langfristig. Das haben wir auch einmal gemacht und unsere einzige Hoffnung ist, dass wir unseren Weg dorthin zurückfinden.

Ein anschauliches Beispiel für den Unterschied zwischen sofortiger Bedürfnisbefriedigung und Rettung der eigenen Zukunft findet sich im Parketthandel. Wenn die Chinesen Gold handeln, dann handeln sie physisches Gold, welches aus ihren Tresoren kommt. Wenn wir Gold handeln, dann handeln wir Schuldscheine. Die physische Auslieferung findet so gut wie niemals statt. In China wird tatsächlich so viel Gold ausgeliefert, wie in den USA in einem ganzen Jahr.

Mit anderen Worten: Gold zu handeln ist für uns eine Art des Glücksspiels. Wir wollen den sofortigen Rausch des Gewinns. In China wird dagegen langfristiges Vermögen zu vernünftigen Preisen aufgebaut.

China baut Vorräte auf

Wie auch immer die so beachteten kurzfristigen Wachstumsraten in China sein werden, ihre Importe von Öl, Eisenerz, Kupfer und praktisch aller anderen Minerale, welche sie nicht selbst produzieren, wachsen rapide und weit über ihren aktuellen Bedarf hinaus. Sie bauen Vorräte für die Zukunft auf.

Aber wie viele Meldungen haben Sie über diese massiven Importe vernommen? Es ist gut möglich, dass dieser Artikel der erste ist, den Sie darüber lesen. Einhergehend damit hortet China alles von Wert, was es selbst produziert – von Gold, über Silber, bis zu seltenen Erden.

Das einzige Mittel knappe Güter zu tauschen, ist ein anderes vertrauenswürdiges Gut. Gold ist dafür von allen am Besten geeignet. Ich kann unser unmittelbares Schicksal nicht ändern. Aber der einzige Weg, einer Katastrophe zu entkommen, ist dafür zu sorgen, dass Sie haben was so wenige Amerikaner haben: jenes Metall, welches die Ära zwischen 1946 und 1971 so großartig gemacht hat. Gold.

Quelle: Nachtwächter


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