„A Glick hot unz troffn …“

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7thmillionIm März 1952, wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen mit den Deutschen, sagte Yohanan Bader: »Angenommen, die Deutschen bezahlen für sechs Millionen Juden, aber was ist, wenn sie bezahlt haben? Wo kommen dann die nächsten sechs Millionen [Juden] her, um weiterhin Geld zu bekommen?«

Haim Landau rief in jiddisch Schmuel Dayan (Mapai) zu: »A Glick hot unz troffn – sechs Millionen Juden wurden ermordet und wir bekommen Geld dafür.«

[Tom Segev, The Seventh Million, Hill and Wang, New York 1994, Seite 222/223]

Verschaffen wir uns einen historischen Überblick über die sogenannten Wiedergutmachungs­leistungen Deutschlands an das Judentum und Israel. Der jüdische Generalbevollmächtigte bei den Verhandlungen mit Deutschland in Sachen „Wiedergutmachung“ war Nahum Goldmann. Goldmann vertrat den Staat Israel und die jüdischen Welt-Organisationen. Goldmanns Karriere ist beeindruckend.


GoldmannGoldmann wurde am 10. Juli 1895 in Wischnow, Litauen geboren. Seit 1927 hatte er führende Positionen in verschiedenen jüdischen Organisationen inne: Vorsitzender des Zionistischen Aktionskomitees; Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund; 1949 Wahl zum Präsidenten der amerikanischen Sektion der Jewish Agency; 1956 Präsident der Jewish Agency for Israel und der zionistischen Weltorganisation; Wiederwahl 1961 und 1965. Nach Gründung des ersten Jüdischen Weltkongresses im Jahre 1936 wurde er Präsident der Exekutive; 1949 Wahl zum amtierenden Präsidenten. 1953 Präsident. Im November 1977 trat er von diesem Amt zurück und erhielt den Ehrentitel eines Gründerpräsidenten. Als Präsident der Jewish Claims Conference hat er in langwierigen Verhandlungen mit den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs die materielle Wiedergutmachung für die überlebenden Opfer des Naziregimes erreicht. Er starb 1982.

[Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, athenäum, Frankfurt 1988, Innenseite]


1. Schritt – Goldmann erklärt sich als abgefunden:

„Dann erkundigte er sich [der damalige israelische Ministerpräsident Ben Gurion] nach meiner Minimalforderung. Ich erklärte, daß ich unter fünfhundert Millionen Dollar keine Vereinbarung treffen würde, jedoch hoffte, sechs- bis siebenhundert Millionen zu bekommen. Ich erhielt schließlich drei Milliarden Mark, das heißt 823 Millionen Dollar; da wir ursprünglich von einer Milliarde ausgegangen waren, bedeuten 82 Prozent der Summe kein schlechtes Ergebnis.“

[Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, athenäum, Frankfurt 1988, Seite 178]


2. Schritt – kurz nach der ersten Vereinbarung erklärt sich Goldmann wiederum als abgefunden:

„Als die drei Milliarden für Israel gesichert waren, verlangte ich zusätzliche fünfhundert Millionen Dollar für die Jewish Claims Conference … ‚Gut, dann eben ½ Milliarde‘, entschied der Kanzler [Adenauer].“

[Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, athenäum, Frankfurt 1988, Seite 181/182]


3. Schritt – beim 14-fachen an Wiedergutmachung sollte dann alles erledigt sein:

„In Wirklichkeit zahlte Deutschland bis zum heutigen Tage [1976] sechzig Milliarden, und die Gesamtsumme wird sich auf 80 Milliarden belaufen, also zwölf- bis 14-mal mehr, als wir damals errechnet hatten … Man kann also den Deutschen nicht vorwerfen, kleinlich gewesen zu sein und ihre Versprechen nicht gehalten zu haben. Im Gegenteil: sobald die Gesetze in Kraft getreten waren, gab Schäffer als erster die erforderlichen Geldmittel frei und gewährte uns sogar mehrmals Vorschüsse, was nicht einfach war …“

[Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, athenäum, Frankfurt 1988, Seite 176]


4. Schritt – bei 85,74 Milliarden sollte endgültig alles abgefunden sein:

„… teile ich Ihnen mit, daß der Deutsche Bundestag Mitte Dezember 1979 die Bundesregierung aufgefordert hat … eine abschließende Leistung zur Abgeltung von Härten in Einzelfällen (Abschlußgeste Wiedergutmachung) zu schaffen. Damit sollen der Zentralrat der Juden und die jüdischen Gemeinden in Deutschland sowie die Jewish Claims Conference in den Stand versetzt werden, Härten in Einzelfällen auszugleichen. Die gesamte Leistung soll einen Betrag von 440 Millionen DM umfassen …“

[Der Bundesminister der Finanzen (Hans Matthöfer) am 10. Januar 1980]


5. Schritt – bei 119,79 Milliarden DM sollte endgültig alles abgefunden sein:

Nach den »abschließenden Leistungen, Abschlußgeste Wiedergutmachung« von 1979 wurden zusätzliche 37,073 Milliarden Tribut festgelegt. Vorsorglich wurde die Zeit der Tributleistungen bis zum Jahre 2030 ausgedehnt – damit für alle kommenden Neuforderungen kein zeitlicher Zwangsrahmen stört.

[Der Bundesminister der Finanzen (Theo Waigel) am 27. September 1989]


6. Schritt – Mit dem Mauerfall tat sich eine neue Möglichkeit auf:

„Aufgrund des Artikel 2 der Vereinbarung vom 18. September 1990 zum Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der früheren DDR hat die Bundesregierung in der Kontinuität der Politik der Bundesrepublik Deutschland mit der Jewish Claims Conference eine Vereinbarung über Härteleistungen für jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung getroffen … Danach wird die Jewish Claims Conference insgesamt 975 Millionen DM … erhalten.“

[Bundesministerium der Finanzen – Referat Presse – 9. November 1992, F. 221]


Allerdings waren von der Bundesrepublik Deutschland bereits sämtliche Ansprüche seitens der Juden an die Ex-DDR erfüllt worden. Der Kronzeuge dafür ist Nahum Goldmann:

„So konnte ich eines Tages zu Adenauer sagen: ‚Sie erkennen die DDR nicht an. Dann seien Sie auch so konsequent und zahlen für sie!‘ Nach monatelangen Verhandlungen willigte er ein, und so bekommt heute ein aus Leipzig stammender Jude dieselbe Rente wie einer aus Frankfurt am Main. Wir haben damit unser Hauptargument verloren, um von der DDR individuelle Wiedergutmachungsleistungen zu fordern. Nur die Bundesrepublik könnte von der DDR die Erstattung ihres Anteils verlangen, aber das ist ihre Angelegenheit.“

[Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, athenäum, Frankfurt 1988, Seite 184 f.]


Der Botschafter a.D., Dr. Karl Wand, gab in der FAZ bekannt, was 1995 nur die Spitze aller Zahlungen Deutschlands an die Juden darstellte: „Wir haben … seit Adenauers Abkommen mit Israel etwa 150 Milliarden DM an Wiedergutmachung für die überlebenden Opfer Hitlers gezahlt und eine Demokratie aufgebaut.“

[FAZ, 5.5.1995, Seite 10 (Leserbrief von Botschafter a.D., Dr. Karl Wand, Bonn]


Die Schröder/Fischer-Regierung hat sozusagen als Beweis des guten Willens zur Weiterführung der Kohl’schen Lobbypolitik und quasi als Einstand „weitere 24 Milliarden Mark an Wiedergutmachung geplant“.

[DIE WELT, 5.12.1998, Seite 9]


Alltag im Holocaust
Wie gestaltete sich Alltag im Angesicht von Verfolgung und Tod? Aktuelle Studien zu den Lebenswelten der Opfer im Großdeutschen Reich, zu ihren Wahrnehmungen, Handlungsspielräumen und Reaktionen, sei es in Berlin, Wien oder Theresienstadt, im Ghetto oder im Versteck. Die verfolgten Juden und „Mischlinge“ erscheinen in dieser Perspektive als Mitglieder von Familien, Organisationen und Gemeinschaften, vor allem aber als handelnde Individuen, die einen Alltag, eine neue Normalität in unnormalen Verhältnissen erstrebten und erfuhren. Diese Menschen versuchten nicht nur zu überleben, sondern zu leben. Eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin. (weiter)


Und nach dem Holocaust?
Jüdische Spielfilmfiguren im (west-)deutschen Film und Fernsehen nach 1945
In der Bundesrepublik gibt es eine auffällige Diskrepanz zwischen der hier lebenden jüdischen Minorität und der großen symbolischen Bedeutung, die ‚den Juden‘ zukommt. Während diese symbolische Bedeutung durchaus ein Faktor im öffentlichen Bewusstsein ist, wird eine Begegnung mit Jüdinnen und Juden im Alltag kaum erlebt. Das liegt an der geringen Größe der jüdischen Bevölkerung, aber auch daran, dass Jüdinnen und Juden nicht erkennbar sind. „Und nach dem Holocaust?“ vertritt die These, dass diese Begegnung medial vermittelt stattfindet – auf besondere Weise in Spielfilmen, weil hier jüdische Figuren für das nichtjüdische Publikum als solche sichtbar gemacht werden. (weiter)


Beuteland
Wie das Land nach der Niederlage 1945 von den Siegermächten regelrecht ausgeplündert wurde und warum das Ausmaß der Reparationen bis heute krass unterschätzt wird. Was hinter dem Projekt der europäischen Integration steckt und wie dem Steuerzahler die Rolle des EU-Zahlmeisters aufgezwungen wurde. Wie der Euro zum Enteignungsprogramm verkam und warum die Rechnung für die Katastrophenwährung immer noch nach oben offen ist. (weiter)


Grenzenlos kriminell
Nie zuvor haben so viele Bürger einen Waffenschein beantragt. Nie zuvor haben sich so viele Privatleute einen Tresor gekauft. Nie zuvor haben sich so viele zum Unterricht in Kampfsportschulen angemeldet. Und nie zuvor war Pfefferspray bundesweit ausverkauft. Die Menschen machen sich ganz offensichtlich Sorgen um ihre Sicherheit. Und das zu Recht! (weiter)


Verheimlicht, vertuscht, vergessen
Geschrieben. Gestoppt. Und doch gedruckt!
Das war wohl noch nie da: Ein Buch wird Opfer seines eigenen Credos! Gerhard Wisnewskis jährlicher Bestseller verheimlicht – vertuscht – vergessen wurde nun sogar seinem Verlag Droemer Knaur zu heiß! Kurz vor Druck wurde die neueste Ausgabe 2016 gestoppt! Begründung: Wisnewski habe in seinem Werk Flüchtlinge »verunglimpft«.
»Tatsache ist, dass das Buch jede Menge Sprengstoff enthält, insbesondere im Hinblick auf die sogenannte „Flüchtlingskrise“, die uns 2015 im wahrsten Sinne des Wortes „heimsuchte“«. (weiter)

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