Der Irak­krieg und die moralische Dekadenz des Westens

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Von Ernst-Peter Ruewald

Der Irak-Krieg und die Hinrichtung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 30. Dezember 2006 nach der Farce eines rechtswidrigen Schauprozesses sind eines der dunkelsten Kapitel der Gegenwartsgeschichte. Dieses Ereignis nach nunmehr 10 Jahren wieder in Erinnerung zu rufen, ist umso mehr angebracht, als in der Folge die Region in Chaos gestürzt wurde und die Auswirkungen das politische Geschehen noch über Jahrzehnte bestimmen werden.

Vorbemerkungen: der Irak-Krieg 2003 aus aktueller Sicht 2016

Der folgende Beitrag 1 wurde an der Jahreswende 2006/2007 kurz nach der sich nun zum zehnten Male jährenden Hinrichtung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein geschrieben. Statt der nach dessen gewaltsamem Sturz propagierten Transformation in eine Demokratie nach westlichem Vorbild ist die Region in ein Chaos gestürzt; der Irak muß heute als gescheiterter Staat („failed state“) angesehen werden [53]. Der verbrecheriche Krieg dauert nunmehr schon über 25 Jahre, und es ist kein Ende abzusehen [58]. – Es ist daraus die Lehre zu ziehen, daß einerseits ein künstliches Staatsgebilde, das aus einer multi-ethnisch/tribalen und multi-religiösen Bevölkerung mit latentem Gewaltpotential besteht, kaum anders als mit eiserner Hand regierbar ist, und daß andererseits eine gewaltsame Intervention von außen, gepaart mit gänzlicher geschichtlicher und kultureller Ignoranz, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist und nicht anders als zu einer Katastrophe führen kann.

Nach ähnlichem Muster wie im Irak erfolgte inzwischen die Zerstörung Libyens, dessen Staatsführer Gaddafi umstandslos durch einen bestialischen Lynchmord beseitigt wurde. In Syrien wütet ein Krieg gegen den sich ebenfalls nicht dem Diktat der USA unterwerfenden Präsidenten Assad, der jedoch von Rußland gestützt wird. ([60], [61])

Diese Kriege, vordergründig als ‚humanitäre Interventionen gegen brutale Diktatoren‘ gerichtet, wurden und werden in Wirklichkeit auf dem Hintergrund langfristiger Pläne zur Steuerung der Weltpolitik geführt, in einem Netz von Strategie- und Denkfabriken entworfen im Hinblick auf ihre Umsetzung, sobald die politische Situation dafür opportun ist. So erhielten etwa führende Köpfe 2 des neokonservativen Thinktanks Project for the New American Century PNAC ([53]-[55]), die bereits 1998 den damaligen Präsidenten Bill Clinton zur Ablösung von Saddam Hussein gedrängt hatten, maßgebende Posten in der Regierung des Nachfolgers G.W. Bush. Dem PNAC war bereits 1982 der israelische Yinon-Plan [56] zur Neuordnung des Nahen Ostens vorausgegangen. Letztlich dienten die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 als willkommene Katalysatoren für die Kriege gegen Afghanistan und den Irak, die schon längst auf dem Plan standen. Dass die „Begründungen“ für den Angriffskrieg gegen den Irak auf Propagandalügen basierten, wurde inzwischen offiziell durch den Chilcot-Report bestätigt ([57a] , [57b], [57c]).

Durch die Kriege und ausgelösten Bürgerkriege wurden Hunderttausende entwurzelt und Massenwanderungen in Gang gesetzt, die sich nicht allein auf sichere Nachbarländer beschränken, sondern durch die Sogwirkung einer planlosen, gesetzeswidrigen [62], mit selbstgerechtem Moralismus durch die Bundeskanzlerin Merkel3 2015 propagierten ‚Willkommenskultur‘ nach Europa strömen und hier mittel- und langfristig zu Destabilisierung und demographischem Bevölkerungsaustausch führen werden. Dies nur als einen singulären politischen Fehler zu betrachten, greift zu kurz. Politische Entscheidungen solchen Ausmaßes sind stets als in den großen Zusammenhang gesteuerter weltpolitischer Trends eingebettet zu sehen ([63a] , [63b-d]). Im Rahmen der Globalisierung setzt sich eine Neue Weltordnung (NWO) durch, die die Abschaffung der Nationalstaaten, die Vermischung – und damit Auflösung – der Völker und gewachsenen Kulturen und, im Rahmen einer globalen Ökonomie, die weltweit ungehinderte Mobilität von Kapital, Waren und Menschen zum Ziel hat. 4

Die Geschichte des Irakkriegs einschließlich der Hinrichtung Saddam Husseins ist paradigmatisch für eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Westmächte unter der Führung der USA. Die Auswirkungen werden das politische Geschehen noch über Jahrzehnte bestimmen. Unter dem auf den kriegsverbrecherischen amerikanischen Präsidenten G. W. Bush folgenden und als ‚Hoffnungsträger‘ vorschnell friedensnobelpreis-dekorierten Präsidenten Obama gab es keine wesentliche Neuorientierung, sondern eine Ausweitung der Aggressionspolitik. Ob sich die Hoffnung auf eine De-eskalation unter dem neu gewählten Präsidenten Donald Trump bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten.

Angesichts des gegenwärtigen weltpolitischen Szenarios, das in bestürzender Weise zeigt, daß die mächtigen und machtgierigen Akteure offensichtlich nicht aus der Geschichte zu lernen fähig sind, erscheint es als umso mehr angebracht, die Situation im Irak vor über 10 Jahren nicht in Vergessenheit versinken zu lassen.

Auf die drei Golf- bzw. Irak-Kriege: 1. den Irak-Iran-Krieg von 1980 bis 1988, 2. den unter den amerikanischen Präsidenten G. H. Bush I und Bill Clinton ab 1991 geführten zweiten Irak-Krieg zusammen mit mörderischen Sanktionen und 3. den unter G.W. Bush II und dem britischen Premier Tony Blair ab 2003 vom Zaun gebrochenen dritten Irak-Krieg, deren Verläufe weitgehend bekannt sind, gehen wir insoweit ein, als die offizielle westliche Geschichtsschreibung einer Korrektur bedarf [58]. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt der vorliegenden Dar­stel­lung in der Politik und Persönlichkeit des hingerichteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Wir greifen dazu bevorzugt auf unabhängige Informa­tions­quellen – im Anhang sind über 80 Quellenangaben – zurück, wie etwa das BrussellsTribunal 5, die Websites GlobalResearch 6, Uruknet 7, Countercurrents, freie Journalisten und Autoren wie Felicity Arbuthnot 8, Dahr Jamail 9, Jeff Archer 10, Curtis Doebbler 11, Jude Wanniski 12, um nur einige zu nennen.

In memoriam Saddam Hussein – der Irak-Krieg und die moralische Dekadenz des Westens

(Jan. 2007, aktualisiert Ende 2016)

Einleitung

Saddam Hussein galt als einer der am meisten geschmähten und diabolisierten Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit. Hierin bestand ein weitgehender Konsens unter Politikern und Intellektuellen. Durch den Einfluss gleichgerichteter Medien wurde ein Großteil der Bevölkerungen der westlichen Welt darauf eingestimmt, auch wenn die Haltung zum Krieg ambivalent war. 13, 14

Seine Verurteilung und Hinrichtung entsprach einem Lynchmord ([1] ,[4a]) nach dem Muster von Ketzerprozessen.

Saddam Husseins wirkliche „Verbrechen“ waren in der Tat „ketzerisch“:

Er lehnte die US-amerikanische Doktrin der globalisierten Liberalisierung der Märkte und Ressourcen zur Ausbeutung durch multinationale Konzerne ab, bestand auf Verstaatlichung des Öls und beharrte auf nationaler Souveränität und Unabhängigkeit. Außerdem war er ein Gegner Israels und unterstützte die Palästinenser.

Wir plädieren grundsätzlich für eine Versachlichung der Betrachtung und wollen daher versuchen, die Entstellungen und ihre Hintergründe aufzudecken und komplementäre Aspekte in den Blick zu bringen, die in den dominierenden Medien in der Regel ausgeblendet worden sind.

Illegalität

Saddam Hussein wurde nach einer illegalen 15, durch kein UNO-Mandat ‚legitimierten‘, Invasion in einer Prozessfarce, wo ähnlich wie bei stalinistischen Schauprozessen alle Rechtsgrundsätze 16 verletzt wurden, wegen angeblicher „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zum Tode verurteilt. Dies unter einer Marionettenregierung und einer Besatzungsmacht, die beide tagtäglich die entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen. 17

Für die USA gilt offensichtlich brutale Macht vor Recht.

Das Exekutionsurteil gegen Präsident Saddam Hussein stand offensichtlich von vornherein fest [37] .

Der Abgrund unserer Zeit

Es zeigt sich hier eine unser Zeitalter durchschneidende tiefe Kluft vor Augen: auf der einen Seite die größten geistigen Errungenschaften des Wissens über das Universum bis zur Funktionsweise des menschlichen Gehirns, und auf der anderen Seite tiefste Barbarei und Bestialität.

Auf der Seite des Abgrunds stehen vor allem die wirklich offenkundigen Verbrechen durch die Invasoren 18, die in ihrem Ausmaß jedes Vorstellungsvermögen überschreiten: diese Zerstörungen an der vermutlich ältesten Hochkultur der Menschheit 19; Ausradierung ganzer Städte und Landstriche; Vergiftung von Boden, Wasser, Luft und gräßliche Erbschäden künftiger Generationen durch radioaktive DU-Bomben, die Tausenden von Hiroshima-Bomben entsprechen 20; seit 2003 schätzungsweise über eine Million Tote 21 infolge von Krieg und Besatzung;
„die am schnellsten wachsende humanitäre Krise der Welt“ mit 4 Millionen Flüchtlingen [31a] , [31b]. Die Liste ließe sich verlängern.

Alle Verantwortlichen in den Befehlsketten der Regierungen der Bush I + II und Clinton und Blair und der übrigen Regierungen der Welt, die offen oder verdeckt Unterstützung geleistet haben, und auch diejenigen, die feige geschwiegen haben, die alle hauptschuldig und mitschuldig sind: keiner von diesen steht vor einer gerichtlichen Untersuchung, geschweige denn vor einer Hinrichtung.

Gegenüber diesem apokalyptischen Destruktionswerk verblassen sämtliche der angeblichen Verbrechen Saddam Husseins, die als nicht-mehr-hinterfragbare „Offenkundigkeiten“ immer wieder in den Medien wiederholt werden. 22, 23,24

Die Rückseite des Spiegels

Die anthropologische Rückseite der Diabolisierung des Gegners wird in der psychologischen Kriegsführung, die die militärische flankiert, raffiniert ausgenutzt: durch Verteufelung, d.h. Dehumanisierung, wird der Gegner aus der menschlichen Gemeinschaft ins Subhumane ausgestoßen und ihm damit das humane Anrecht auf Gerechtigkeit und Mitleid entzogen. 25

Das Phänomen der Verteufelung ist in der Geschichte der Menschheit nicht neu. Die „Theorie des gerechten Krieges“ (Just War Theory) wird als wichtiger Bestandteil der Kriegspropaganda und Mediendesinformation benutzt, um für die Kriegsagenda die Unterstützung der Öffentlichkeit zu erzeugen.

Das Hauptziel heute hinter der Dämonisierung des Gegners und des als „humanitäre Aktion“ kaschierten Krieges sieht der Ökonom Prof. Chossudovsky in der Sicherstellung der Kontrolle und die Privatisierung des Reichtums an Ressourcen, insbesondere der Ölvorräte [5a]; ähnlich äußerte sich Ramsey Clark, früherer General-bundesanwalt der USA [5b].

Der politische Soziologe und Sozialist Prof. J. Petras sieht mehr die Interessenlage Israels und dessen starken Einfluß auf die Politik der USA vorrangig [54]; s. a. [57b]. Auch aus irakischer Sicht waren „Öl und Israel“ [43b] die Hauptgründe für den Krieg.

“In dubio pro reo” – zur Versachlichung der Darstellung

Um unvoreingenommene Würdigung der Persönlichkeit von Saddam Hussein und der politischen Geschichte des Irak zur Zeit seines Regimes bemühten sich z.B. die Beiträge von Doebbler 26, Lagauche 27, Marsden 28 und auch der israelische Dissident I. Shamir [9].

Die angeblichen Verbrechen das Ba’ath-Regimes unter Saddam Hussein

Zunächst soll versucht werden, das Netz der platten Lügen bzw. der aus Unwissen oder Absicht verzerrten Darstellungen zu korrigieren.

Obwohl schon längst die Behauptungen über die angeblichen Massenvernichtungswaffen, die Verbindung zu Al-Qaida, die Mitwirkung an den Anschlägen am 11. September 2001, als Propagandalügen 29, [47][48] zur Rechtfertigung des Aggressionskriegs gegen den Irak – spätestens durch den Chilcot-Report [57a-c] – aufgedeckt sind, hat sich immer noch als letztes „Argument“ erhalten, dass Saddam Hussein, „der Schlächter von Bagdad“, ein „brutaler Diktator“ gewesen sei, der u.a. „sein eigenes Volk vergast“ hätte (die Kurden angeblich zu Hunderttausenden).

Genauer besehen sind die verbreiteten Behauptungen über die so genannten Anfal– und Halabja-Kampagnen gegen die Kurden nicht haltbar. Dazu gibt es die Darstellungen des BrusselsTribunal [3] und eine umfassende Studie [3b] mit über 50 Quellenangaben, u.a. auch des CIA; siehe auch die Artikel von Jude Wanniski [3d] und al-Obaidi [49] . Für die angebliche horrende Zahl von 180000 Opfern gibt es keine Beweise.30 Das tödliche Zyangas wurde vom Iran eingesetzt, der Irak verfügte nicht über dieses Gas. Nach dem Tod von Saddam Hussein ist durchgesickert, dass der Iran einen Millionenbetrag angeboten habe, damit die Rolle des Iran in der Halabja-Kampagne bei dem Schauprozess ausgeklammert werde.[11]

Bei dem Dujail-Fall, weswegen Saddam Hussein schließlich zum Tode verurteilt wurde, hatte es sich um einen Umsturzversuch und einen Mordanschlag gegen ihn selbst gehandelt. Dieser war 1982 während des Irak-Iran-Krieges von der pro-iranischen Dawa-Partei geplant worden, die einen fundamentalistisch islamischen Staat zu errichten zum Ziel hatte. Bezeichnenderweise bildet im „neuen Irak“ diese Partei den Block der Nachfolgeregierung Al-Maliki. Nach Gerichtsverhandlungen wegen schweren Landesverrats, die 3 Jahre dauerten, hatte Saddam Hussein als damaliger Staatspräsident rechtswirksame Todesurteile unterzeichnet.

Für den Irak-Iran-Krieg 1980 bis 1988 wird in den Medien einseitig der Irak als Aggressor beschuldigt. Die Komplexität der Zusammenhänge wird kaum gesehen ([44], [45] ). Das Ba’ath-Regime im Irak war zwar säkular, aber religiös tolerant . Allerdings stand und steht der schiitische fundamentalistische Islamismus des Iran säkularen Staatsmodellen in der islamischen Welt ausgesprochen feindlich gegenüber. Der Khomeinismus war expansionistisch und versuchte die schiitisch-islamistische Revolution in die arabischen Nachbarländer zu exportieren. Im Irak gab es immer wieder Bombenattentate und Umsturzversuche, die vom Iran ausgingen [44]. Der Krieg zwischen Irak und Iran war i.w. auch ideologisch begründet [12]. Saddam Hussein hat später bedauert, nicht rechtzeitig erkannt zu haben, in welchem Maße die USA, Großbritannien (und Israel) an der Anheizung und Aufrechterhaltung des Krieges zur gleichzeitigen Schwächung des Irak und des Iran interessiert waren und davon profitiert hatten. Vom ‚Friedensnobelpreisträger‘ Henry Kissinger stammt bezeichnenderweise die zynische Aussage: „sollen sie sich gegenseitig umbringen“.

Saddam Hussein als „CIA-Marionette“ zu bezeichnen, ist unzutreffend. Selbst Juan Cole, einer der prominentesten Vertreter der CIA-These, mußte zugeben, daß die CIA eine geringere Rolle spielte als bisher angenommen [13] . Saddam Hussein war – nach Nasser in Ägypten, und später, in begrenztem Maße, Gaddafi in Libyen und Baschar al-Assad in Syrien – der einzige Staatsmann der arabischen Welt, der sich den imperialen Großmächten widersetzt und einen harten Kampf für nationale Unabhängigkeit und Selbstbestimmung geführt hat; siehe auch [39] .

Der Einmarsch 1990 der irakischen Armee in Kuweit wird in den westlichen Medien als einseitige Aggressionskriegshandlung gebrandmarkt. Die Präzedenzien werden dabei jedoch weitgehend ignoriert. Die Kom-plexität der Vorgeschichte hat Dr. Hassan el-Hajjar in dem Buch „The Gulf War: Overreaction & Excessiveness[14] ausführlich dargelegt.

Kuweit hatte, entgegen Vereinbarungen der OPEC-Staaten, seine Ölfördermengen deutlich gesteigert und dadurch eine Senkung des Ölpreises bewirkt, die zu drastischen Einbußen für den Irak führten, der nach dem Irak-Iran-Krieg dringend Devisen zum Wiederaufbau benötigte. Außerdem waren von kuweitischer Seite weit in irakisches Gebiet hinein reichende unterirdische Ölbohrungen vorgenommen worden. Dies waren eindeutige Verletzungen der territorialen Integrität des Irak. Verhandlungen mit den OPEC-Staaten scheiterten vor allem an Saudi Arabien und Kuweit, die beide starke US-amerikanische Bindungen haben.

Zudem wurde der Irak durch die Äußerung der US-Botschafterin Gillespie irregeführt, die USA würde sich nicht in innerarabische Angelegenheiten einmischen. Im Gegenteil, die USA benutzten die irakische Aktion als Vorwand zum Beginn des mörderischen Golfkriegs 31 gegen den Irak. [15]

– Schließlich sollte nicht unerwähnt bleiben, daß Kuweit Anfang des 20. Jh. durch die britische Kolonialmacht vom Irak abgetrennt wurde, obwohl Kuweit historisch eng mit Irak verknüpft war. Mehrere Versuche im 20. Jahr-hundert, Kuweit wieder mit dem Irak zu vereinigen, sind jedoch gescheitert. [14]

Zur Frage der Menschenrechtsverletzungen: es ist ein beklagenswertes Faktum, daß die gesamte Geschichte der Menschheit bis heute durch Blutbäder und Grausamkeiten geprägt ist 32. Politische Systeme, Ideologien, Macht wurden immer wieder mit Gewalt durchgesetzt. Dies trifft auch heute noch für alle Länder im Umkreis des Irak zu: in Saudi Arabien, im Iran, in Israel, Syrien und in der Türkei. In all diesen Ländern wird z.B. Folter praktiziert. Wir werden jedoch heute kaum einen Staat auf der Welt finden, dem nicht Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in versteckter Form vorgeworfen werden können – sei es direkt oder indirekt außerhalb seiner Staatsgrenzen. Hierbei steht die Supermacht USA mit an der Spitze durch Täterschaft wie durch Heuchelei; z.B. die Namen Abu Ghraib und Guantanamo wurden weltweit berüchtigt als Beispiele barbarischer Menschenrechtsverletzungen.

Gegenstimmen, Gegendarstellungen

Sehr wenige im Westen haben die Stimme gegen die systematische Verteufelung Saddams erhoben [12]-[18].

Hier sollen nun einige positive Aspekte der Politik und der Persönlichkeit von Saddam Hussein zur Sprache gebracht werden, die diametral zu der seit Jahrzehnten betriebenen Propaganda stehen:

Positive Aspekte 1: Sozial- und Bildungssystem, politisches System

Das Baath-Regime war nach außen pan-arabisch-nationalistisch, nach innen sozialistisch. Es hatte das beste (weitgehend freie) Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialsystem und die beste Stellung der Frauen in der arabischen Welt. Die Säuglings- und Kindersterblichkeit (unter 5 Jahren) wurde zwischen 1974 und 1989 um
50 % gesenkt [32]. Der Analphabetismus betrug im Irak 1973 noch 60 % und wurde in weniger als 10 Jahren auf unter 10 % gesenkt [8] . Begabte Studenten durften auch im Ausland studieren. In einer UNESCO-Erklärung hieß es, der Irak sei eines der einzigen Länder der Welt, das es begabten, aus völliger Armut stammenden Kindern ermöglichte, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, z.B. Hirnchirurg oder Archäologe zu werden [36] .

– Im Vergleich dazu die Situation im „neuen Irak“: Frauen können sich kaum mehr aus dem Haus wagen; Gesundheits- und Schulsystem sind fast völlig zusammengebrochen ; Hunderte von Akademikern sind ermordet worden. ([3e] , [52a])

Jedes Dorf wurde mit Elektrizität versorgt, und jede Familie erhielt kostenlos einen Kühlschrank und ein Fernsehgerät. – Dagegen im „neuen Irak“: nur wenige Stunden am Tag Strom; dauernde Engpässe und horrende Preissteigerungen der Treibstoffe; Kollaps von Trinkwasserversorgung und Abwassersystemen: [35a] , [35b]

Palästinensische Flüchtlinge wurden sozial unterstützt, es wurden Siedlungen für sie gebaut. – Dagegen wurden im „neuen Irak“ Palästinenser ermordet, mit Morddrohungen vertrieben. Zehntausende sind geflüchtet und befinden sich in elenden Flüchtingslagern in den Grenzgebieten. ([33], [34])

Die Regierung legte großen Wert auf die Bewahrung des historischen Erbes. Die archäologischen Stätten wurden gepflegt und restauriert. Auf den Raub archäologischer Schätze stand die Todesstrafe. –

Nach der Invasion fand dagegen die organisierte Ausplünderung des Nationalmuseums in Baghdad, das eines der großartigsten und wichtigsten Kulturmuseen der Welt war, statt. Unzählige archäologische Stätten wurden ausgeraubt und zerstört. ([24] ,[25]-[28], [52]).

Es ist im Westen kaum bekannt, dass in der früheren irakischen Regierung Schiiten entsprechend ihres demographischen Anteils vertreten waren und viele führende Stellungen innehatten. Der Posten des Ölministers wurde traditionell von einem Schiiten bekleidet [40].

Und auch Kurden und Christen waren vertreten: z.B. der langjährige Außenminister und frühere Vizepräsident Tariq Aziz 33 war Christ ; der Vizepräsident Taha Yasin Ramadan 34 war Kurde.

Die Kurden hatten unter dem Baath-Regime Saddam Husseins weitgehende Autonomie. Kurdisch war offiziell als zweite Sprache neben dem Arabischen anerkannt und gefördert. Die Kurden hatten demnach im Irak einen viel besseren Status als in den Nachbarländern (wo ihnen, z.B. in der Türkei, ihre eigene Sprache verboten ist).

Innerhalb des laizistischen Staates herrschte sowohl ethnische als auch religiöse Toleranz. Das identitätsstiftende Band war die Gemeinschaft der irakischen Nation, die sich aber als Teil des größeren arabischen Kulturraums verstand. Die religiösen Gemeinschaften erhielten staatliche Zuschüsse, der Bau von Moscheen, Kirchen, Synagogen wurde gefördert. Die oberen religiösen Würdenträger, insbesondere auch die schiitischen Ayatollahs, erhielten staatliche Gehälter und eigene Fahrzeuge [40]. Eine im ersten Golfkrieg zerstörte Synagoge wurde wieder aufgebaut. Niemand wurde wegen seines Glaubens verfolgt. Die Zugehörigkeit zur sunnitischen oder schiitischen Richtung des Islam ging häufig quer durch die Familien, ähnlich wie bei uns zwischen Katholiken und Protestanten. Es wurden jedoch keine Bestrebungen fundamentalistischer Islamisten geduldet, die bestehende Trennung zwischen Politik und Religion aufzulösen und einen Gottesstaat etwa nach iranischem Vorbild zu errichten. Umsturzversuche, die vom Iran her vorbereitet und auch von den USA unterstützt wurden, wurden mit Gewalt niedergeschlagen.

Positive Aspekte 2: die Chance einer geschichtlichen Erneuerung der islamischen Gesellschaft

Eine bemerkenswerte kulturgeschichtliche Würdigung [12] wurde von Dr. Pandita, dem vormaligen Direktor des Zentrums für Zentralasiatische Studien an der Universität Kaschmir, kurz nach der Verkündung des Todesurteils gegen Saddam Hussein im November 2006 geschrieben:

„… Die islamische Gemeinschaft (Ummah) hat einmal mehr die Chance verloren, sich aus den Fesseln des Konservativismus zu lösen und den Schritt in die Ära der Modernität … zu tun …

Saddam, als er noch an der Macht war, war das Symbol eines neuen Islam: sein Bemühen war die Trennung von Politik und Religion. Vor ihm wurden solche Versuche entweder nicht gemacht, oder wenn sie versucht wurden, scheiterten sie. Die Geschichte wird zwar verzeichnen, daß auch er gescheitert ist, allerdings nicht wegen seiner „Untaten“: der Irak wurde von außen erobert, zerstört, und wird wahrscheinlich zerstückelt werden…“. Pandita geht in seinen Ausführungen auf Reformansätze der Philosophen Avicenna (11. Jh.) und Ibn Khaldun (14. Jh.) zurück, auf welche die Orthodoxie aber mit Starrheit und Lethargie reagiert habe. Angesichts der Situation im 20. Jh. schreibt er: „… Nach 8 Jahrhunderten andauernder innerer Streitigkeiten und schwächender Trägheit des religiösen Konservativismus, benötigte der Islam einen Katalysator, um ihn in das neue Zeitalter des Internationalismus zu bringen.“

„Gegen die massive Durchsetzung materieller Interessen der Westmächte in der arabischen Welt trat die Ba’ath-Partei unter Saddam Hussein an. Sie hatte die Geschichte vor Augen und das Bestreben der Befreiung der muslimischen Welt als ein erreichbares Ziel im Blickfeld …“

„Selten existierte in der islamischen Geschichte ein Mann mit solch einem eisernen Willen wie Saddam Hussein … Er schweißte unterschiedliche Faktionen in eine gemeinsame Bewegung, die – zum ersten Mal in der islamischen Geschichte – Glaube und Sekte, Ethnizität und einen Anklang von Identität transzendierte. Saddam machte Schritt für Schritt den Versuch, eine Zivilsation und eine Volksmasse zu einer großen internationalen Macht zu formen, auf der Basis von Nicht-Diskriminierung und Gleichheit – welche Fundamente der islamischen Sozialphilosophie sind …

Eines Tages werden klarsichtigere Elemente in der muslimischen Welt erkennen, welchen Verlust der Islam erleidet, wenn der abgesetzte und angeklagte Präsident des Irak, nach einem Todesurteil eines Gerichts unter fremder Besatzung gehenkt wird.“

Positive Aspekte 3: die unbekannte Persönlichkeit Saddam Husseins

Ein kurzer Abriss der Biographie Saddam Husseins und seines politischen Werdegangs findet sich in der schon genannten Würdigung von C. Doebbler [7a-b].

Eine ausführlichere Darstellung enthält das Buch von A. Iskander „Saddam Hussein: Der Kämpfer, der Denker, der Mensch“ [16]. Neben dem Lebensweg Saddam Husseins vom Halbwaisen aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen bis zum Staatspräsidenten wird in einzelnen Kapiteln seine differenzierte Auseinandersetzung mit den verschiedensten staatspolitischen Problemen behandelt, wie z.B. „revolutionstheoretische Reflektionen über Kulturerbe und Religion“, „Erdöl – von der imperialistischen Abhängigkeit wegkommen“, „methodische Vorschläge zum Wachstum“, „Entwicklung zum Wohl des Menschen“, „die demokratische Frage“, „die kurdische Frage“, „der politische Nutzen der Energie“, „Strategie der Befreiung und deren Stadien“, „Theorie der Multi-Polarisierung“, „Bedeutung der Blockfreiheit“, „aus Saddam Husseins Tagebüchern“.

Es ist im Westen auch kaum bekannt, dass Saddam Hussein gebildet und belesen war. Er hatte eine besondere Vorliebe für Poesie und hat selbst Gedichte und Erzählungen geschrieben. In deutscher Übersetzung liegt ein Roman mit dem Titel „Zabiba und der König“ [17] vor. Wir zitieren aus dem Vorwort von Gilles Munier, dem Generalsekretär der Vereinigung „Amitiées franco-irakiennes“, durch die das Manuskript nach Frankreich gelangt und zuerst aus dem Arabischen ins Französische übersetzt wurde. Die zunächst anonym gehaltene Autorschaft Saddam Husseins ist inzwischen geklärt.

„… Saddams Buch ist vielmehr ein nach dem Vorbild Tausendundeinenacht verfasstes Märchen … Das Bild, das die Lektüre von ‚Zabiba und der König‘ vom irakischen Staatspräsidenten vermittelt, unterscheidet sich ganz und gar von der Karikatur, die die Medien verbreiten. Die Vorstellung einer Person mit kontrastreichen, fein differenzierten , die Darstellung widersprüchlicher, ausgefeilter Erkenntniswege bringen die Persönlichkeit seines Autors, die zehn Jahre publizistischen Krieges und propagandistischen Lügen zur Bestie entstellt hatten, in ein neues Licht.“

Die philosophischen Gespräche zwischen Zabiba und dem König thematisieren u.a. sehr offen die Rolle der Frau, und auf differenzierte Weise den Antagonismus und die Dialektik der Rolle des „Königs“ als Machthaber und als Verkörperung des Willens des Volkes. Am Schluss muss der König sterben …

Ende: Integrität und Würde

Als die Vollstrecker des Todesurteils Saddam Hussein, kurz bevor sie ihn henkten, mit „fahr zur Hölle“ beschimpften, hat er in voller Geistesklarheit entgegnet: „die Hölle ist der Irak“ – zutreffender kann die Situation im Irak nicht beschrieben werden. [30]-[35]

Saddam Hussein hat am Ende noch außerordentliche Charakterstärke bewiesen: Tranquilizer wies er zurück, um seine geistige Präsenz nicht zu beeinträchtigen. In der letzten Nacht wurde er von den Wärtern verhöhnt und am Schlaf gehindert – höchstwahrscheinlich auch gefoltert. Man wollte, daß er als schwächlicher und gebrochener Mann zum Hinrichtungsplatz geht. Während die Vollstrecker und Augenzeugen sich unter schwarzen Kapuzen versteckten, lehnte er dies für sich ab. Er wollte als aufrechter Mann sterben. Seine letzten Worte waren die Schahada und das Bekenntnis zu seinem Land Irak und zu Palästina: „Es lebe Irak!“ und „Palästina ist arabisch!“.

Die menschliche Größe, die Saddam am Ende zum Trotz gegen alle Demütigungsversuche gezeigt hat, hat selbst bei Gegnern seiner Person oder seiner Politik Respekt hervorgerufen, z.B. [9] ,[10a-c].

Zum Abschluß soll auf einen Beitrag von Layla Anwar, einer im Exil lebenden Irakerin, hingewiesen werden, der vielleicht besser als jede offizielle Grabrede eine angemessene Würdigung des Menschen und der Politik des Präsidenten Saddam Hussein darstellt [18] . Trotz aller „Verwestlichung“ hat die Autorin die Wurzeln und Werte ihrer Kultur nicht verloren. Ein bewegendes Beispiel, das uns im Westen nachdenklich machen kann.

Ausblick

Es ist eine grausame Ironie und Tragödie der Geschichte, dass einer der ältesten Kulturräume der Weltgeschichte, mit einem auf über 5000 Jahre geschätzten Erbe, durch die Kriegsmaschinerie der Supermacht der bisher fortgeschrittensten Zivilisation, die bei einem Alter von kaum mehr als 200 Jahren einer eigenen verwurzelten Kulturgeschichte weitgehend ermangelt, fast total zerstört wurde.

Saddam Hussein hat die US-amerikanische Doktrin der globalisierten Liberalisierung der Märkte und Ressourcen zur Ausbeutung durch multinationale Konzerne abgelehnt und hat auf nationaler Souveränität und Unabhängigkeit beharrt und dafür gekämpft.

Bei allen politischen Fehlern, die er begangen haben mag 35, verdient er, in die Geschichte als ein politisches Symbol für den immer wieder nötigen Befreiungskampf für Unabhängigkeit und Souveränität gegen imperiale Unterdrückung und als ein menschliches Symbol für die Möglichkeit der Bewahrung von Integrität und Würde bis zum Augenblick des Todes einzugehen.

(Quellennachweise zum Herunterladen als PDF)


Beuteland
Wie das Land nach der Niederlage 1945 von den Siegermächten regelrecht ausgeplündert wurde und warum das Ausmaß der Reparationen bis heute krass unterschätzt wird. Was hinter dem Projekt der europäischen Integration steckt und wie dem Steuerzahler die Rolle des EU-Zahlmeisters aufgezwungen wurde. Wie der Euro zum Enteignungsprogramm verkam und warum die Rechnung für die Katastrophenwährung immer noch nach oben offen ist. (weiter)


Grenzenlos kriminell
Nie zuvor haben so viele Bürger einen Waffenschein beantragt. Nie zuvor haben sich so viele Privatleute einen Tresor gekauft. Nie zuvor haben sich so viele zum Unterricht in Kampfsportschulen angemeldet. Und nie zuvor war Pfefferspray bundesweit ausverkauft. Die Menschen machen sich ganz offensichtlich Sorgen um ihre Sicherheit. Und das zu Recht! (weiter)


Das Anglo-Amerikanische Establishment
Wie eine einflussreiche Geheimgesellschaft die Politik des 20. Jahrhunderts steuerte
Carroll Quigley, war ein hoch angesehener Professor an der Georgetown University in Washington D. C. und Lehrer in Princeton und Harvard. Neben seinem Bestseller Tragödie und Hoffnung hat er ein weiteres Meisterwerk geschrieben: sein Buch über das anglo-amerikanische Establishment. Darin enthüllt er die Macht und die Hintermänner einer »geheimen Weltregierung«. (weiter)


Verheimlicht, vertuscht, vergessen
Geschrieben. Gestoppt. Und doch gedruckt!
Das war wohl noch nie da: Ein Buch wird Opfer seines eigenen Credos! Gerhard Wisnewskis jährlicher Bestseller verheimlicht – vertuscht – vergessen wurde nun sogar seinem Verlag Droemer Knaur zu heiß! Kurz vor Druck wurde die neueste Ausgabe 2016 gestoppt! Begründung: Wisnewski habe in seinem Werk Flüchtlinge »verunglimpft«.
»Tatsache ist, dass das Buch jede Menge Sprengstoff enthält, insbesondere im Hinblick auf die sogenannte „Flüchtlingskrise“, die uns 2015 im wahrsten Sinne des Wortes „heimsuchte“«. (weiter)


Die geheime Migrationsagenda
Die Förderer der Massenzuwanderung mit ihren elitären Netzwerken in EU, UNO, superreichen Stiftungen und NGOs, die einer unbegrenzten Migration nach Europa das Wort reden und eine Art Copyright auf »Menschlichkeit« und »Humanität« für sich beanspruchen, um damit die Aufmerksamkeit von ihren eigentlichen, nicht selten höchst materiellen, eigennützigen und manipulativen Zielen abzulenken. (weiter)


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6 KOMMENTARE

  1. Da sieht man mal wieder wie nützlich die Vernichtungslüge von 1945 war.Man könnte sie bei Bedarf immer verwenden, wenn es erforderlich war. Im Irak-Krieg konnte sie verwendet werden und im Kosovo-Krieg auch: Wollt ihr, das nochmal so etwas passiert, wie vor 1945 ? Nein ? Dann Angriff und Vernichtung der angeblich Schuldigen ! Ach ja, im Syrien Konflikt wurde das von dem kleinen Mädchen, das sich angeblich in Syrien befunden hatte, auch erwähnt – allerdings zu spät, da die Russen dieses Mal schneller waren.

    Allerdings hätten sie sich eigentlich nicht beklagen dürfen, da die Sowjets damals an der Entstehung dieser Lüge beteiligt waren. Solange die Russen nicht ein 2. Glasnost einleiten, wird somit etwas immer wieder vorkommen und auch russische Opfer können nicht immer verhindert werden.

  2. Erinnert sehr an die Nürnberger Prozesse, wo die Verbrechen der Alliierten absichtlich ausgeklammert wurden. Von Rechts wegen hätten Truman (noch mehr Roosevelt, aber der war vorher gestorben) und Churchill etc. gehängt werden müssen; ebenso wie beim Irakkrieg Bush und Blair.
    Churchill erhielt sogar den Nobelpreis und den Aachener Karlspreis. Merkel befindet sich da in illustrer Gesellschaft:
    Was die Allierten mit Bomben nicht geschafft hatten, nämlich Deutschland und die Deutschen abzuschaffen – Merkel & Co schaffen das endgültig mit der demographischen Bombe.

  3. Dies ist ein sehr kenntnisreicher Aufsatz – besten Dank!. Die Bezeichnung der USA als „fortgeschrittenste Zivilisation“ erscheint mir allerdings zweifelhaft. Eine Bitte an die Redaktion: Wäre es möglich, das literarische Werk Saddam Husseins – zumindest in Auszügen – zugänglich zu machen.

  4. @BS
    Es sollte in den Abschnitten „Abgrund unserer Zeit“ und „Ausblick“ klar geworden sein, daß mit Zivilisation die technisch-wissenschaftliche Zivilisation gemeint ist und nicht das, was wir eher als „Kultur“ davon unterscheiden, oder Zivilisation im Sinne von Norbert Elias als „Zivilisierung“ der Sitten etc. Mir lag gerade daran, bei den USA den Antagonismus zwischen der „höchstentwickelten“ technischen Zivilisation und andererseits der Barbarei (i.w. fehlenden Kultur) hervorzuheben.
    Was die Schriften von Saddam Hussein anbelangt, so ist mir nur von der im Quellenverzeichnis unter [17] angegebenen Novelle „Zabiba und der König“ bekannt, daß sie in „westliche“ Sprachen übersetzt worden ist (zuerst ins Französische und von dort ins Englische und Deutsche). Eine andere Novelle soll in geringer Auflage in Japan herausgegeben worden sein.

  5. Ergänzende Hinweise des Autors:

    Hans-Christof von Sponeck berichtet über die katastrophalen Auswirkungen der Sanktionen gegen den Irak in den 1990er Jahren, die ihn zum Rücktritt von seiner Stellung in der UNO bewogen hat. Er erwähnt auch, daß die UNESCO 1987 den Irak mit einem Preis für den Erfolg des Kampfes gegen den Analphabetismus ausgezeichnet hatte:
    [64] Hans-Christof von Sponeck: „Politisch wirkungslos und menschlich eine Katastrophe
    Elf Jahre Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.“
    http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Irak/sponeck2.html

    Joachim Guilliard resumiert den unter G.W.Bush seit 2003 geführten Krieg und die folgenden katastrophalen Zustände im „Neuen Irak“ :
    [65] Joachim Guilliard: „Gezielte Zerstörung. Analyse. Zehn Jahre Krieg der USA im Irak“
    http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Irak/10jahre2.html

    Der Historiker Prof. F.W. Seidler zieht einen Vergleich zwischen dem Schauprozess gegen Saddam Hussein und den Nürnberger Prozessen, die er einer vernichtenden Kritik unterzieht:
    [66] „Der Besiegte ist immer schuld“ – Prof. Dr. Franz W. Seidler über die Rechtswidrigkeit der Nürnberger Prozesse:
    http://zuerst.de/2015/11/21/der-besiegte-ist-immer-schuld-prof-dr-franz-w-seidler-ueber-die-rechtswidrigkeit-der-nuernberger-prozesse/

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