F*** Halloween

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Von Ludger Kusenberg

Wenn bei mir im Ruhrgebiet eine Horde zombiehafter Gestalten sich gekrümmt und sabbernd durch die Straßen schleicht, dann ist entweder ein normaler Montagmorgen oder: Halloween. Wie stehen Sie zu Halloween?

Ein Freund hat mal gesagt, für ihn sei Halloween widerwärtiger und schlimmer, als alles Gräuel, was jemals aus den USA zu uns rüber geschwappt ist, und es sei perfektes Sinnbild für das heutige Amerika selbst: hässlich, schändlich, geklaut und verhunzt, hirnverbrannt und kommerzgetrieben. So weit würde ich in meiner Bewertung nicht gehen – aber die Richtung stimmt …

Als Halloween in den 90ern sich anschickte, auch der hiesigen Gemeinschaft seinen Kürbis aufzuzwingen, war ich zu alt, um noch dran teilzunehmen und zu jung, um mich schon drüber aufzuregen. Eine Abneigung jedoch spürte ich bereits damals, und nun als Vater einer 5-Jährigen steigert sich diese Abneigung allmählich in erste ernsthafte Widerstandsbestrebungen. Ich könnte das Fest lockerer sehen, ginge es bloß ums Kostüme-Verkaufen, Leute-Erschrecken, Eier-Werfen und um (im Gegensatz zu St. Martin) LEISTUNGSLOSES Süßigkeiten-Erpressen – doch die üble Party ist leider weit mehr als nur eine Lästigkeit.

Ich ahne: Würde ich nun auf die okkulte keltische Historie hinweisen, auf den durchschimmernden Satanismus an Halloween oder einfach darauf, wie zwanghaft und rücksichtslos hier eine Industrie Absatzmöglichkeiten geschaffen hat, ich täte in diesem Blog gewiss niemandem eine Neuigkeit vermitteln – einen Subtext „Kritik an Halloween“ gibt’s schließlich sogar bei wikipedia. Ich möchte es daher praktischer handhaben, am aktuellen Geschehen orientiert:

Halloween war nicht aufzuhalten und wird seinen Platz in unserer Feierbiest-Gesellschaft behaupten, aber WIEVIEL und WAS wir zulassen, das liegt (noch) in unseren Händen. Die Abwinker und Mitmacher argumentieren gern, dass Kinder das böse Dahinter nicht wahrnehmen würden und dass dieses daher folgenfrei sei – ein Stück weit kann ich einer solchen Argumentation sogar folgen, wenn ich eigene Kinderheitserfahrungen zurück hole:

Als Grundschüler habe ich beim Mitsingen von „Skandal im Sperrbezirk“ natürlich nicht gewusst, welch schlimme, schlimme Sache diese rausmüssenden Freudenhäuser in München darstellen, mir ist ebenso wenig aufgefallen, dass Hubert Kah bei Heck in einer Zwangsjacke steckte, und es wäre mir auch völlig egal gewesen. Aber: Ich habe mich gefürchtet beim Video zu „Thriller“ von Michael Jackson. Vor den Bildern, vor den Tönen, vor der ganzen Szenerie und sogar vor dem – es mag lachhaft klingen – Sprechpart von Vincent Price. Ich war ein kleiner Mensch!

„Thriller“ durfte aus guten Gründen in der Musiksendung „Formel Eins“ nicht vor einer bestimmen Uhrzeit ungekürzt gezeigt werden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Wirkung herunterzuspielen mit Verweis darauf, dass es in dem Text doch nur um das Lancieren von Tanzeinlagen geht, denn: Im Film verwandelt sich jemand in einen Werwolf, und Leute steigen aus Gruften, was auch immer da besungen wird, basta!

Doch was früher verboten, ist heute die handelsübliche Halloween-Bebilderung, und eine madig gemachte Erwachsenenwelt scheint das nicht mal mehr wahrzunehmen. Meinethalben sollen Kinder am letzten Oktobertag „Süßes oder Saures“ vor Haustüren rufen, um daraufhin abgelaufene Pez-Batterien hinterhergeschmissen zu bekommen, das ist doof, aber schwerlich rückgängig zu machen – nur: was in der Zeit vor Allerheiligen allerorten lapidar präsentiert wird, ist ein brutales mediales „Verthrillern” unser Kinder, dem wir Einhalt gebieten müssen!

Ich rede hier nicht über Skelettaufkleberchen am Klofenster, es geht mir auch nicht um frühreife Grundschulkids, sondern um Kinder fast noch im Krabbelalter, denn auch die werden zügellos und schamfrei in die Zielgruppen gefeixt. Und am Ende wundern wir uns, wenn Kinder andere Kinder mit Messern angreifen und nix Verkehrtes daran finden …

Lassen Sie mich berichten, was ich mal beim Besuch eines unschuldig anmutenden, selbsternannten Kinderparadieses in Oberhausen erlebte mit meiner seinerzeit 3-Jährigen: Wir wollten nur ein bisschen spielen gehen an einem verregneten Herbstwochenende, schritten aber schon unmittelbar hinter der Kasse alternativlos (!) durch eine von Vampiren, Zombies und blutrünstigen Monstern gesäumte Horrormeile, Licht- und Toneffekte ließen erschaudern, Gekrächze war zu hören, Sargdeckel öffneten sich, Thriller!

Wer jetzt sagt „Hey, das sind doch sicher nur Spielfigürchen gewesen“, der kann auch im Kindergarten „The Walking Dead“ laufen lassen mit dem Argument „Hey, das sind doch nur Schauspieler in Altkleidersachen“. Die auf den Leinwänden gezeigten Bilder waren Splatterfilme erster Kajüte, und auch das wird nicht dadurch besser, dass ja nur ein animiertes Plastikmännchen einem anderen animierten Plastikmännchen den Kopf abschlägt, um hernach eine Blutfontäne zu belachen.

Halloween, der Spaß für die ganze Familie! Sind wir total irre geworden?! Oder bin ich zu emotional als Vater und an dieser Stelle nicht objektivierungsfähig? Schauen Sie selbst: Ich habe damals mein Handy gezückt und 30 Sekunden aus dem Handgelenk mutgefilmt.

Das Video war auch nach zwei Jahren noch auf meinem iPhone, ich habe es jetzt eigens für diese Seite hochgeladen; es ist bei youtube als nicht-öffentlich eingestellt und daher dort nicht über die Suchfunktion zu finden. Achten Sie auf Details in dem Ausschnitt: die Leinwand, die Atmo. Was Sie da sehen und hören ist harmlos verglichen mit dem realen Schauspiel, das noch weit mehr in petto hatte.

Nicht vergessen: Kinder unter 3 Jahren sind in dem Laden ausdrücklich willkommen, und es gibt KEINE AUSWEICHROUTE, jeder Besucher muss da durch, zur Not also im Kinderwagen oder auf allen Vieren. Ich könnte echt kotzen!

Ein Blick auf die aktuelle Homepage des Ladens zeigt, dass an der Szenerie vor Ort sich seither nichts Grundlegendes geändert haben dürfte. (Ich hab’s nicht nachgeprüft, weil ich einfach keinen Bock hatte, da nochmal hinzugehen.)

Auf ein besinnliches Allerheiligen.

Quelle: Tichys Einblick


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Politische Korrektheit
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