Mein Tag „Besonnenheit“

0
201

Schwer beeindruckt von der vielgelobten Sommerpressekonferenz unserer verehrten Kanzlerin beschloss ich heute morgen, dem leuchtenden Beispiel unserer Führerin zu folgen und mir ebenfalls die postmoderne Tugend der „Besonnenheit“ zu eigen zu machen. Mit Erfolg: Kaum dass mich um 6 Uhr früh der Wecker aus dem Schlaf klingelte, stellte ich ihn gleich besonnen eine Stunde weiter, um mich dann noch ausgeschlafener ins Bad zu begeben. Dort duschte ich nicht weniger besonnen ein paar Minuten länger als sonst unter lauwarmem Wasser und machte mir anschließend mit ruhiger Hand mein Frühstück, kaute mein Toastbrot, dabei, gleich unserer Kanzlerin in der fernen Uckermark, versonnen vor mich hinsinnend, und verließ zwei Stunden später als gewöhnlich gegen 10 Uhr in aller Gemächlichkeit, immer einen Schritt nach dem anderen, das Haus in Richtung Büro.

Jenseits der Gartenpforte stieg ich in den Wagen, nüchtern natürlich, genau wie unsere Kanzlerin, wenn sie über Ansbach spricht, und beschloss dann an der ersten Ampel, statt der üblichen 30 Minuten über die Autobahn, aus Besonnenheit lieber über die Landstraße zu fahren: Dörfer, Kühe, Felder rechts und links – da lässt es sich doch gleich noch besser sinnen. Umso mehr, besann ich mich, bei einer Tasse frischem Filterkaffee – und schon bog ich ab auf einen kurzen Zwischenhalt im Gasthaus „Zum fröhlichen Ferkel“. Blauer Himmel, Schäfchenwolken, der Duft der Kaffeebohnen, das Leben kann so schön und gemütlich sein.

Ganz besonnen fuhr ich eine Stunde später weiter, von Dorf zu Dorf, mit dreißig Kilometern in der Stunde, damit mich die Polizei nicht blitzt, ich bin ja ein verantwortlicher Mensch. Gegen Mittag hatte ich es dann fast bis ins Büro geschafft, aber da war es schon Zeit für die Mittagspause, und schnurstracks durchzufahren wäre höchst unbesonnen gewesen. Das kleine Schnitzel hat mir jedenfalls nicht geschadet, im Gegenteil: besonnener als je zuvor stieg ich wieder in mein Auto und erreichte – wieder nicht geblitzt, wieder ein Erfolg – gegen zwei Uhr nachmittags meinen Schreibtisch. Den Rechner hochfahren, mein Postfach lesen, das alles wäre natürlich jetzt reiner Aktionismus gewesen, das vertagte ich besonnenerweise lieber auf 15 Uhr, kam allerdings aus terminlichen Gründen, da sich der gewohnte erste Tagesplausch im Büroflur etwas hinzog, erst um 15.30 Uhr dazu, auf meinem Notebook den Knopf für „Power“ zu drücken…Um 16 Uhr rief mich mein Chef an – natürlich wäre es sehr unbesonnen gewesen, den Hörer abzunehmen. Zwei Minuten später stand seine Assistentin in der Tür und bat mich, ihr zu folgen, mein Chef wolle mich sprechen. Also nahm ich die Füße vom Tisch, eine sehr wohlüberlegte und, wie ich fand, bemerkenswert vernünftige, rationale Entscheidung, da man ohne beide Füße auf dem Boden schlecht vorankommt, und trottete ihr nach.

Mein Chef war leider unbesonnen. Er kam gleich zur Sache und wollte wissen, wo ich heute früh gewesen sei, warum ich meine Post nicht gelesen hätte und sein Telefon nicht beantworte, ob ich meinen fetten Hintern nicht hochbekäme und obendrein heute morgen vergessen hätte, mir die Haare zu kämmen, so wie ich aussähe. Viele Fragen, die sich aber ohne besonnenes Abwägen nicht so einfach beantworten lassen: Einfache Antworten gibt es nämlich nicht, bekanntlich. Ich versprach daher pflichtbewusst, mich um diese vielschichtigen, komplexen Themen, sobald ich Zeit dazu fände, zu kümmern und ihm bis zu unserem nächsten Termin, möglichst aber nicht in den nächsten vier Wochen, einen Neun-Punkte-Plan vorzulegen.

Zurück im Büro saß da plötzlich jemand anderes auf meinem Arbeitsplatz, und die Assistentin reichte mir einen kleinen Karton mit meinen persönlichen Utensilien. Nett von ihr, dachte ich noch, und wie schön, dass jetzt jemand anderes mir den Job abnimmt, das macht das Leben für mich um etliches entspannender, da ich morgens nun nicht mehr so lange über die Autobahn oder von Dorf zu Dorf fahren muss, statt dessen kann ich, sinnend, drei Stunden länger frühstücken.

Wieder daheim setzte ich mich, erschöpft von all den Herausforderungen dieser schwierigen Zeit, aber sehr zufrieden mit meinen vielen Erfolgen, nach einem langen, gemütlichen Abendbrot an den kleinen Tisch im Wohnzimmer und begann, diesen Artikel für PI zu schreiben. Mal sehen, ob er heute noch fertig wird, wenn nicht, dann eben morgen, weil morgen ist auch noch ein Tag, und man muss ja nicht alles heute besorgen, was man ganz besonnen auf morgen verschieben kann, und – …


(Anmerkung PI-Redaktion: Wir haben den Text jetzt unvollständig veröffentlicht, weil der Autor den Artikel sowieso nie geschafft hätte. Den Autor haben wir inzwischen entlassen. Wir stehen unseren Lesern im Wort, eine gewisse Qualität unserer täglichen Arbeit zu liefern, und diese Form von „Besonnenheit“ können wir uns sparen)

Quelle: Politically Incorrect


Einen Scheiß muss ich
Mangelnde Faulheit kann zu Burnout führen! Dennoch leiden immer mehr Menschen unter maßlosem Müssen. Aber müssen wir wirklich abnehmen, aufräumen und uns ökologisch korrekt verhalten? Vorwärtskommen im Job, zu allem eine Meinung haben und rausgehen, wenn die Sonne scheint? »Nein!«, sagt US-Bestseller-Autor Sean Brummel alias Tommy Jaud, »einen Scheiß müssen wir! Die Leute sterben nicht, weil sie zu wenig Licht bekommen, Sie sterben, weil sie zu wenig Spaß haben.« (weiter)


Die Kunst des Nichtdenkens
Möchten Sie zu einem glücklicheren Lebensstil finden? Lernen, störende Gedanken auszuschalten und negative Gefühle zu überwinden? Der junge buddhistische Mönch Ryunosuke Koike zeigt, wie wir die eigenen Gedanken steuern, unsere fünf Sinne schärfen und so uns selbst und unsere Umwelt wieder besser wahrnehmen können… (weiter)


Einfach glücklich
Jeder kann glücklich sein, denn Glück kann man trainieren. Wie jeder von uns mehr Freude und Zufriedenheit in seinem Leben erreichen kann, zeigt uns Stefan Klein in seiner ‚Glücksformel für jeden Tag‘. Die Quintessenz seines Bestsellers ‚Die Glücksformel‘, so zusammengefasst, dass sich im Alltag die neuen Erkenntnisse über die guten Gefühle leicht umsetzen lassen: Gewusst wie, ist es ganz einfach, sein Glück zu finden! (weiter)


Bevor Du Dich erschießt, lies dieses Buch!
Sind Sie gerade an einem Punkt angelangt, an dem Sie sich die Kugel geben wollen, weil Ihnen das Wasser bis zum Hals steht oder weil Sie keine Ahnung haben, wie Sie die aktuellen Rechnungen bezahlen sollen oder Ihre Altlasten begleichen können, um endlich wieder frei zu sein? Ist Ihre Ehe zerbrochen, Ihr Freund oder gar Ihr Kind gestorben, oder hat ein schwerer Unfall Ihr Leben derart verändert, dass Sie keinen Sinn mehr darin sehen? Sie haben Ihr Gesicht verloren, sind verleumdet, betrogen oder misshandelt worden? Halten Sie inne, Sie sind nicht alleine! Viel mehr Menschen, als Sie sich vorstellen können, sind momentan in extreme innere Prozesse verwickelt. Und es werden mehr, immer mehr – weltweit! Und das hat einen guten Grund… (weiter)


Das Schlechte am Guten
Haben Sie auch das Gefühl, dass hierzulande etwas gewaltig schiefläuft. Nehmen Sie auch etwas anderes wahr, als die von herrschenden Eliten konstruierte »Realität«. Wäre »politische Korrektheit« mehrheitsfähig, wenn sie sich einer demokratischen Abstimmung stellen müsste? Ist sie womöglich nur das Programm einer privilegierten Elite, die keine Skrupel hat, unter dem Deckmantel des »Guten« zu repressiven Mitteln zu greifen? Zur Vertuschung ihrer wahren Ziele, diffamieren die »Guten« Andersdenkende reflexartig als »faschistisch«, »rassistisch« oder »sexistisch«… (weiter)

Hinterlassen Sie einen Kommentar