Der Mainstream pflegt die Angst vor Trump

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Von Bankhaus Rott

Die in Deutschland veröffentlichte Meinung ist sich mal wieder einig. Donald Trump ist gefährlich. Das drückt sich täglich in der Veröffentlichung möglichst unvorteilhafter Fotos des Präsidentschaftskandidaten und den dazu passenden reißerischen Überschriften aus. Die ehemalige Grenze zwischen Bericht und Kommentar ist nicht mehr nur verschwommen. Sie erinnert an den derzeitigen Zustand der EU-Außengrenzen.

Das praktische an einer in weiten Teilen einheitlichen Presselandschaft ist die Möglichkeit zum Sparen. Der Blick in eine Gazette genügt. Zu 95% weiß man danach, was die anderen veröffentlichen. Der Rest ist Werbung. Man kann sogar jedes Jahr mehr sparen, denn mangels interessierter Leser liegen die Blätter immer öfter gratis aus oder werden Passanten in die Hand gedrückt.

Während manches schnell in der Versenkung verschwindet arbeiten sich die Schreiber an einigen Themen monatelang ab. Ein solches Thema ist die Kandidatur von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl. Zu Beginn wurde die Kandidatur belächelt. Als den ersten reichlich spät klar wurde, dass die Konkurrenten aus dem Lager der Republikaner Trump nicht annähernd das Wasser reichen konnten, wurde die Hoffnung breitgetreten, die republikanische Partei werde einen Kandidaten Trump nicht zulassen. Als dies doch geschah und man beobachten durfte wie Trump nach und nach auch viele Granden der republikanischen Partei ins Boot holte, verlagerte man sich wieder auf das alte Muster.

Man kritsiert mit frisch geputzter deutscher Brille (70er-Jahre Modell) alles was Trump vorschlägt und jeden der sich ihm anschließt. Auch der vor allem für seine Worthülsen bekannte Frank Steinmeier gestand er sei in dieser Frage nicht neutral und sagte unlängst ihm würde bange, wenn er an eine Präsidentschaft Trumps denke. Man fragt sich, welche Gefühle sich in Steinmeier angesichts der desolaten Lage Europas rühren. Davon hat er nicht gesprochen. Vermutlich ist er in der Flüchtlingsfrage neutral und plant eine Konferenz in deren Rahmen darüber gesprochen wird, ob es sinnvoll sein könnte gemeinsam mit den europäischen Freunden und Partnern und Freundinnen und Partnerinnen ein Bündel an Maßnahmen zu schnüren. Bis dahin muss man einfach mal zusehen, dass einem nicht bange wird.

Die Kritik in der Presse nimmt zunehmend putzige Züge an. Wer die Schlammwerferei über einige Monate verfolgt, der findet witzigerweise vor allem das, was viele Schreiber Trump vorwerfen: Inkonsistenz. Das fängt beim kleinen Moritz in der Wirtschaftspresse an und endet in den immer dpa-lastigeren Tagesveröffentlichungen. Eine neues Glanzlicht setzte nun eine Frau Werner von der glücklicherweise gratis herumliegenden Süddeutschen Zeitung vom Dienstag.

Um einen Eindruck vom aktuellen Tonfall und von der erreichten Stufe des selbst ernannten Qualitätsjournalismus 2016 zu vermitteln, folgen nun einige Auszüge aus einem Text, dem die Redaktion der Zeitung immerhin zwei Drittel einer Seite spendierten.

Der Aufhänger des Artikels ist die Vorstellung von Trumps Beraterstab. Es geht los mit der altbekannten Mischung aus Privatfernsehen-Humor.

Donald Trumps Wirtschatsberater sind wie er selbst. Natürlich sind ihre Haare nicht so orangefarben, und ihre Haare sind nicht so geföhnt wie bei [ihm]

Ach, die Haare. Was haben wir gelacht. Da hat die Autorin aber Glück, dass man über Haare offenbar noch lachen darf. Man stelle sich vor Trump hätte orangefarbene Haut.

Auf der Liste der Berater die Trump jetzt veröffentlicht hat (…) stehen fast nur: weiße, alte Männer.

Schlimm! Wo sind die Frauen- und Schwarzenquoten? Warum finden sich keine 20-jährigen Wirtschaftsberater? Sollte man sich nicht lieber Fragen, ob ein Team kompetent ist oder ist das im Jahr 2016 schon politisch unkorrekt? Wir wissen nicht, ob die Berater kompetent sind, aber am Geschlecht oder an der Hautfarbe würden wir das nicht festmachen.

Kurioserweise heißen auch fünf von 14 Beratern Steve.

Das geht natürlich gar nicht. Gibt es keine Deckelung für Steves? Her mit der Quote! Hoffentlich ist wenigstens einer der Steves mit einem Michael zusammen und nicht mit einer Jane sonst wird es wirklich langsam verdächtig. Von wegen Namen sind Schall und Rauch.

Jetzt wird es aber spannender:

Fast interessanter als die Namen, die auf Trumps Liste stehen, sind die Namen, die fehlen: die üblichen Wirtschaftstheoretiker und Starökonomen, die sonst immer zur republikanischen Berater-Elite zählen, zum Beispiel Glenn Hubbard (…) oder Gregory Mankiw.

Keine Wirtschaftsheoretiker? Na sowas, dabei waren die Theoretiker doch in den letzten Jahren so furchtbar erfolgreich. Man achte darauf dass Praktiker im Beraterteam sind und „Wirtschafstheoretiker“ herausfallen. Eine Wende, die man durchaus auch positiv beleuchten könnte. Aber Starökomonen sind einfach sexy, auch wenn in den letzten Dekaden außer viel Geschwafel nicht viel aus ihnen herauszuholen war.

Nur einer der Männer, auf die Trump hören will, ist Professor für Volkswirtschaft: der Freihandelskritiker und China-Feind Peter Navarro.

Also doch ein Ökonom, aber da er eine andere Meinung hat offenbar ein schlimmer. Es gibt also Volkswirte denen gegenüber man wohlgesonnen ist und andere.

Trump glaubt nicht an die traditionellen Wirtschaftstheoretiker und großen Denker,

Was haben traditionelle Volkswirte mit großen Denkern zu tun? Vermutlich soviel wie die aktuellen Experimente mit klassischer Volkswirtschaft. Manchmal hat man den Eindruck diese beiden Mengen sind disjunkt, wie der Mathematiker sagt.

Weiter geht’s:

Er setzt auf Machertypen, die wissen, wie man reich wird, auf Unternehmer.

Macher, Unternehmer, reich werden. Mehr als reich werden macht natürlich ein Unternehmer nicht. Ein Macher weiß eben nur wie man reich wird, was er dafür macht spielt keine Rolle. Eine Sichtweise, die sicherlich auf Berliner Straßenfesten bei einer Runde Freudenfeuer gut ankommt.

Viele sind Kritiker der US-Notenbank Federal Reserve, einer starken staatlichen Aufsicht.

Eine bemerkenswerte Leistung der Autorin, die Kritik an der Fed auf dessen Aufsichtsfunktionen umzudeuten. An der Geldpolitik und den Anleihekäufen kann es wohl nicht liegen.

Der Immobilienmogul ließ auch die großen Banken von der Wall Street außen vor – oder haben Sie sich geweigert, ihm öffentlich zur Seite zu stehen?

Das ist geradezu bösartig vom Kandidaten. Nachdem man jahrelang lesen durfte, dass eben diese Banken am Weltuntergang und alles mögliche verantwortlich sind, soll es nun ein Fehler sein, sich nicht von ihnen beraten zu lassen.

Seine Geldexperten im Beraterteam sind fast ausschließlich Finanzinvestoren. Sie verdienen ihr Geld mit Immobiliengeschäften oder mit Hedgefonds.

So einfach ist die Welt. Immerhin verdienen sie Geld. Warum sollte man sich da von Banken beraten lassen, die staatliche Unterstützung brauchten, als es eng wurde? Liest man den ganzen Artikel in der SZ so offenbar sich eine Sicht auf die Finanzwelt, die bestenfalls zu einer mittelklassigen Schülerzeitung passen würde. So wird munter alles in einen Topf geworfen. Geldexperten, Wirtschaftsberater, Starökonom. Gibt es eigentlich auch Stargeldexperten?

Vier Berater werden explizit erwähnt, darunter der Cerberus Chef Feinberg unter der besonders originellen Überschrift „Höllenhund“ (das gibt sicher einen Sonderpunkt in der Deutschklausur!).

Das Unternehmen steht immer wieder in der Kritik, unter anderem weil ihm die Waffenfirma gehört, die das Bushmaster Gewehr herstellt, das der Täter bei dem Amoklauf in Sandy Hook 2012 nutzte.

Das ist wirklich unverantwortlich. Zyniker könnten anmerken, ob Putin an dem Amoklauf schuld gewesen wäre, hätte der Täter eine AK 47 benutzt. Interessant ist dieser Kommentar sicher auch für die CEOs von Rheinmetall, Lockheed und Co. Bitte nicht Frau Clinton beraten.

Auch nett ist der Text zum Milliardär Andy Beal.

Auch er verdiente in der Finanzkrise viel Geld, weil der Kredite günstig aufkaufte, die in Not geratene Banken loswerden wollten.

Man sollte der Vollständigkeit halber erwähnen, dass die Banken (a) den Mist an dem sie fast gescheitert sind vorher selber von den Wall Street Banken, die Herr Trump nun außen vor lässt, gekauft haben und (b) froh waren über jeden, der ihnen die Papiere seinerzeit abnahm. Aber bitte, Herr Beal, bitte kein Geld damit verdienen, denn die Banken sind doch in Not geraten. Gibt es Sozialarbeiter für in Not geratene Banken? Ist die Formulierung „in Not geratene Banken“ nicht eine wunderschöne und geradezu Mitleid erregende Konstruktion. Treffender wäre der Satz „die Manager der Banken haben ihre Firmen in eine Notsitutation gebracht.“ Aber das würde Verantwortlichkeiten erläutern und Verantwortung wird in Deutschland auch 2016 nicht zum Wort des Jahres.

Bekannt ist er auch als semiprofessioneller Pokerspieler. Er (…) hat bei einem Spiel im Bellagio in Las Vegas einmal 11,7 Millionen Dollar verdient – der bislang höchste Tagesgewinn.

Ziemlich Semiprofessionell, in der Tat. Man mag sich kaum ausmalen, was ein Profi verdient hätte.

Es folgt John Paulson vom gleichnamigen Hedge Fund.

Er hatte 2007, vor dem Ausbruch der Finanzkrise, im großen Stil auf den Einbruch des schon damals überhitzten Immobilienmarkts der USA gewettet und dann Milliarden verdient.

So funktioniert es. Man sucht eine Fehlbewertung und nutzt diese. Im Nachhinein liest sich das alles immer einfach, und die Gewinne erscheinen leistungslos. Aber das ist nicht der Fall. Jeder kann das am Finanzmarkt selbst ausprobieren.

Die Bank Goldman Sachs musste später eine hohe Strafe zahlen, weil Sie Kunden die Verbriefungen der Immobilienkredite verkauft hatte, die sie für Paulson zusammengestellt hatten, ohne vor den Risiken genug zu warnen. Paulson ging straffrei aus.

Natürlich ging Paulson straffrei aus. Er hat ein Produkt auflegen lassen und das gekauft. Soll er in den Knast weil die Vertriebler der Bank die das Produkt aufgelegt haben die Gegenseite dieses Produktes anderen Leuten aufgedrückt haben? Nebenbei bemerkt sollte man davon ausgehen dürfen, dass viele von denen die Risiken oft sehr wohl verstanden haben oder aber komplett überbezahlt waren. Wie war das übrigens noch mal mit den Wall Street Banken, die Trump nicht an Bord hat?

Wir wissen nicht, ob die Autorin des Artikels in dieser Gratisausgabe der SZ ihren Lesern Angst vor Trump und seinem Beraterstab machen wollte, oder ob sie sich über die beteiligten Personen lustig machen wollte. Beides ist nicht gelungen. Auch beim Angstmachen gibt es offenbar eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis. Immerhin hat der Artikel es geschafft, das Wort semiprofessionell in ein neues Licht zu rücken.

Quelle: Rott & Meyer


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