Michael Winkler: Das zweitschönste Amt nach dem Papst

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Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten nominiert. Es ist nicht Stinkefinger Sigmar das Pack Gabriel, sondern, wie auch die SPD-Führung zuerst aus der Presse erfahren hat, Martin Schulz. Und nicht nur das, Schulz bekommt sogar das zweitschönste Amt nach dem Papst: Er darf SPD-Vorsitzender werden. Ansonsten soll eine Postenrochade im Bundeskabinett stattfinden.

Da Frank-Walter Steinmeier sehr sicher Bundespräsident wird, braucht Merkel einen neuen Außenminister. Dafür opfert sich Gabriel, was den Vorteil hat, daß Gabriel den neuen US-Präsidenten nicht als „Haßprediger“ bezeichnet hat. Damit wird der Posten des Wirtschaftsministers frei, der nun an Brigitte Zypries fallen soll. Wirtschaftsminister … das war mal ein Prestige-Posten mit echter Leitungsfunktion, damals, unter Ludwig Erhard. Heute ist das eher ein Posten, auf dem minder befähigte Parteifunktionäre kaum Schaden anrichten können. Edmund Stoiber hat schon gewußt, warum er das nicht werden wollte.

Wie stehen die Chancen von Martin Schulz, die Wahl zu gewinnen? Nun ja, die SPD ist keine Volkspartei mehr, sie erzielt bundesweite Zustimmung so wie einst nur in Bayern, und in Bayern nähert sie sich der Zehn-Prozent-Grenze. Insofern stehen hinter Schulz zu wenige und zu schwache Bataillone. Ganz abschreiben sollte man den Kandidaten aber noch nicht, denn er erfüllt eine wichtige Voraussetzung, den alten Lehrsatz, daß in der Politik nichts Besseres nachkommt. Allerdings müßte er sich sehr anstrengen, um den Schaden, den Merkel dem deutschen Volk zugefügt hat, noch zu übertreffen. Aber wer weiß, sollte Merkel überraschend abtreten, heißt seine Gegenkandidatin womöglich Pfuschi von den Laien. Die erfüllt genauso den Lehrsatz der Politik.

In Mossul wird weiter gestorben. Mit Hilfe der amerikanischen Luftwaffe hat die Irakische Armee jetzt den Ostteil der Stadt zurückerobert. Unsere Wahrheitsmedien berichten gnädigerweise nur selten darüber, denn sonst bräche unserer Kanzlerin ganz sicher wieder das Herz und ihre Gedanken wären bei den Opfern, anstatt sich darum zu bemühen, vielleicht doch noch eine Audienz bei Donald Trump zu erhalten.

Während bei der Befreiung Aleppos Tag für Tag neue Opferzahlen genannt worden sind, und ständig über bombardierte Krankenhäuser und Schulen berichtet wurde, findet das Sterben in Mossul unter Ausschluß der deutschen Nachrichtensender statt. Es gibt eben keine Lobby für die längst befreiten Iraker, auch nicht für Frauen und Kinder, die dort zwischen die Fronten geraten. Dort herrscht schließlich eine von den Amerikanern aufgestellte Marionetten-Regierung, nicht wie in Syrien ein demokratisch gewählter und vom Volk akzeptierter Präsident.

Inzwischen ist es offiziell: die Bundestagswahl findet am 24. September statt. Warum mir das eine Meldung wert ist? Ganz einfach: Sobald der Termin feststeht, gehen alle Politiker in den Wahlkampfmodus über. Ab sofort wird noch weniger regiert als bisher. Zur besseren Einordnung: Es sind noch acht Monate bis zum Wahltermin. Und drei Monate später ist Weihnachten. Sie haben also noch genug Zeit, um Geschenke zu kaufen.

Die britische Premierministerin möchte einen harten Brexit, allerdings hat jetzt der oberste Gerichtshof entschieden, daß vorher das Unterhaus zu befragen sei. Großbritannien ist schließlich eine parlamentarische Demokratie, da ist der Wille des Volkes, manifestiert in einer Volksabstimmung, nicht ganz so wichtig wie der Wille der Volksvertreter. Und ja, dieses Wort reimt sich wunderbar auf das „Unwort“ des Jahres 2016: Volksverräter.

Quelle: Michael Winkler


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