Michael Winkler: Hinterher ist man schlauer

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Ein deutscher Kriminologe namens Christian Pfeiffer hat behauptet, daß die Sicherheit in Deutschland steige. Wer zum Teufel ist dieser Christian Pfeiffer? Tante Google kennt ihn, von 2000 bis 2003 war er für die SPD niedersächsischer Justizminister, davor und danach (1988 bis 2015) Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Mit anderen Worten, ein Theoretiker, der obendrein noch politisch eingefärbt ist – seit 1969 SPD-Mitglied.

Laut seinen Statistiken ist die Zahl der Vergewaltigungen in den letzten zehn Jahren um 20% zurückgegangen. Wie war da nochmal die Steigerung? Lüge, infame Lüge, Statistik?

Ohne die Rohdaten und die Methode der statistischen Auswertung zu kennen, hat diese Aussage denselben Wert wie „In den letzten 12 Monaten ist die Temperatur in Würzburg gleich geblieben.“ Letzteres hat mir das Thermometer in meinem Kühlschrank verraten.

Solche Tricksereien sind in den Wahrheitsmedien üblich, ich erinnere da nur an den Begriff der „gefühlten Inflation“. Letztere sehen Sie, wenn Sie irgendwo Kartoffeln kaufen, während die echte Inflation nur in den Wahrheitsmedien zu erfahren ist.

Die gefühlte Sicherheit erleben Sie, wenn der nette – und zweifellos minderjährige sowie traumatisierte – Asylbetrüger Ihnen ein Messer in den Leib rammt, während die offenkundige Sicherheit ja immer mehr zunimmt. Es gibt allerdings einen klaren Indikator für die Sicherheit, der weitaus aussagekräftiger ist als alle Christian Pfeiffers der Welt: das Aufgebot an Leibwächtern, mit denen sich unsere vielgeliebten Politiker umgeben. Beim gerade zu Ende gegangenen OSZE-Treffen in Hamburg waren für 50 Außenminister 13.500 Polizisten nötig.

In der Türkei wurden mal wieder Bomben gezündet. Als Opfer haben sich die Attentäter gezielt Polizisten herausgesucht. Eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hat sich zu dem Doppelanschlag bekannt. Getötet wurden 38 Personen, davon 30 Polizisten. „Früher oder später werden wir uns rächen“, kommentierte Innenminister Süleyman Soylu dies bei einer Trauerfeier. Ich stelle mir gerade vor, ein deutscher Politiker würde diesen Satz sagen, wenn mal wieder ein Deutscher zu Grabe getragen wird, der einem „Flüchtling“ zum Opfer gefallen ist.

Arbeitsministerin Andrea Nahles – für die Amtsbezeichnung kann sie nichts – glaubt an die Chancen ihrer SPD, Merkel abzulösen. „Das liegt in der Luft. Ich riech‘ es. Ich weiß nicht, was ihr immer riecht morgens, aber ich rieche ihre Schwäche.“ Nahles glaubt auch, daß die SPD die Union vor sich hergetrieben hätte, denn alle wichtigen Gesetzesinitiativen seien von der SPD ausgegangen.

Wenn ich über die Arbeit der Regierung Merkel 3 so nachdenke, dann fallen mir zwei Dinge ein: Das „Wir schaffen das“ der Selbstherrlichen und Unbelehrbaren Merkel, sowie die gnadenlose Deutschenhetze des Denunziationsministers Heiko Ehrenburg Maas. Beides erachte ich nicht für eine Empfehlung, die jeweilige Partei zu wählen. Bei Sigmar Gabriel erinnere ich mich noch an den Stinkefinger, den dieser den Wählern gezeigt hat, bei Andrea Nahles erinnere ich mich an absolut gar nichts.

Das Wort des Jahres 2016 ist „postfaktisch“ geworden. Das heißt nicht etwa „nach der Faktenlage“, sondern „gefühlt, unter Ausblendung der Faktenlage“. Vermutlich wurde dieses Wort konstruiert, um den Menschen vorzuwerfen, daß ihre Ansichten nicht mit dem übereinstimmen, was die Wahrheitsmedien vorgeben. Von Fremdwörtern hatte der Konstrukteur dieses Wortes offenbar keine Ahnung. „Post“ heißt „nach, hinterher“. Andererseits, im Sinne von hinterher ist man schlauer, wäre die Wortschöpfung sinnvoll. Wenn sich herausgestellt hat, daß die Fakten der Wahrheitsmedien nicht so ganz gestimmt haben, ist man postfaktisch eindeutig besser informiert.

Quelle: Michael Winkler


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