Michael Winkler: Hoch gewachsen, aber nicht groß

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Der spanische König hat sich tatsächlich zu Wort gemeldet. Zu spät, und er hat die Propaganda des Regimes vorgetragen, ganz in der Art eines drittklassigen Grüßaugusts vom Schlag eines Joachim Gauck. Hat der Mann denn keine Berater? Oder ist er zu geizig, welche zu bezahlen? Ich bin mir sicher, ich hätte nach zwei durchwachten Nächten, schwer gegen das Einschlafen kämpfend, etwas Besseres zustande gebracht.

Ein König, der von der Last des Regierens befreit ist, sollte versöhnen statt spalten. Er hätte einen flammenden Appell an die Katalanen halten sollen, unter dem gemeinsamen Dach Spaniens zu verbleiben, und das schon vor einer Woche. Heute wäre es seine Aufgabe gewesen, die Opfer der Polizeigewalt des Regimes zu würdigen, sich bei ihnen zu entschuldigen. Aber, wie gesagt, Spaniens König ist zwar hoch gewachsen, aber nicht groß.

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich ist einfach zu blöd für sein Amt. Aber nein, das hat Kurt Biedenkopf ja gar nicht gesagt. „Ihm fehle die nötige Vorbildung für sein Amt“, so hat er das „zu blöd“ ausgedrückt. Und warum beschimpft Biedenkopf seinen Nachfolger? Wegen der AfD, die in Sachsen drei Direktmandate gewonnen hatte und stärkste Partei geworden war.

Im Prinzip hat er recht, der alte Biedenkopf, nur schimpft er über die falschen Leute. Die Ursache dieses Ergebnisses sitzt in Berlin, im Kanzler-Airbus, mit Postadresse Kanzleramt. Was Angela Merkel anrichtet, kann ein Stanislaw Tillich nicht ausbügeln. Biedenkopf hat allerdings seine Lektion gelernt: eine Rebellion gegen den eigenen Kanzler und Parteichef hat er sich nur einmal getraut, damals, gegen Kohl. Der hat ihn dafür zwar nicht nach Sibirien geschickt, aber immerhin nach Sachsen.

Wer darf im Reichstag wo sitzen? Die AfD ganz rechts, die Linke ganz links, soweit ist alles klar. Die FDP möchte jedoch nicht rechts der CDU/CSU, aber links von der der AfD sitzen, sondern in der Mitte. Das haben die Grüninnen damals auch geschafft, einen Platz in der Mitte, anstatt links von der SPD. Außer in Bayern, da hat Franz Josef Strauß ihnen gesagt, wo sie zu sitzen haben.

Vielleicht sollte man den Sitzungssaal umkonstruieren, fünf Sitze nebeneinander, 240 Sitzreihen hintereinander. Die Sitze links und rechts bleiben leer, dann sitzen alle hintereinander und in der Mitte. Oder man konstruiert ein paar Emporen. Da will zwar niemand unten sitzen, die drei mittleren Etagen dürften ebenfalls begehrter sein, aber irgendwie wären da viel mehr Pfötchenheber in der Mitte als bisher. Und ja, über die Sitzungssäle für die Fraktionen wird auch noch gestritten. Die Damen und Herren Abgeordnete können das leider nicht regeln wie Erwachsene, also mit den Fäusten.

Ich muß gestehen, ich kann ihn verstehen, den Todesschützen von Las Vegas. Er ist ein paar Jahre älter als ich, und er hatte genügend Geld, um sich alles zu leisten, was er haben wollte. Irgendwann wird man wunschlos unglücklich. Der Hunger der Jugend ist gestillt, nach einem Schnitzel ist man satt oder zumindest des Essens überdrüssig. Sicher, Mercedes baut tolle Autos, aber mein alter Opel bringt mich überall hin, es wäre also Verschwendung, mir einen Mercedes zuzulegen.

Ich werde nie in den Weltraum fliegen, nie auf dem Mond oder auf dem Mars stehen. Mallorca wäre mir zu voll und zu laut, auf einer Kreuzfahrt müßte ich mich irgendwie in das Leben an Bord einfügen. Allerdings sammle ich keine Waffen, und meine Gewaltphantasien reichen gerade aus, um auf dem Bildschirm eine Gruppe römischer Legionäre gegen karthagische Elefanten zu hetzen.

Aber irgendwo kann ich ihn verstehen, diesen Mann, der sein Leben mit einem absoluten Höhepunkt abschließen wollte, mit einem Spektakel, wie er es noch nie erlebt hatte. Der Gedanke daran hat ihn ausgefüllt, ihn alles akribisch planen lassen. Dann hat er sein Leben beendet, im Vollgefühl dieses Machtrausches. In gewisser Weise hat er damit weltweite Bedeutung erlangt.

Ja, ich kann diesen Stephen Paddock verstehen. Das heißt nicht, daß ich seine Tat billige oder gar gutheiße. Es heißt nicht, daß ich mich auch nur im Entferntesten dazu veranlaßt sehe, in ähnlicher Weise zu handeln. Es heißt nur, daß ich verstehe, wenn jemand am Ende seiner Ziele noch zuviel Leben übrig hat.

Quelle: Michael Winkler

1 KOMMENTAR

  1. Der untere Teil des Artikels ist Ihrer unwürdig. …nur langweiligen Menschen ist langweilig! Am Ende seiner Ziele noch so viel Leben über und dann fängt man an Prinzipien die man 64 Jahre gelebt hat aufzugeben, wird von jetzt auf gleich Waffennarr und legt andere Menschen um. Die offizielle Darstellung vom einsamen Wolf stinkt zum Himmel!

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