Michael Winkler: Kriegsherrenrethorik

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„Duschen Sie mit sehr viel Seife und Wasser.“

Was dieser Ratschlag soll? Das wird den Bewohnern Guams empfohlen, für den Fall, daß Nordkorea einen Atomschlag gegen die Insel führen sollte. Allerdings sollten die Inselbewohner keine Haarspülung benutzen, „denn diese bindet radioaktives Material in Ihrem Haar“.

Ebenfalls empfohlen wird: „Legen Sie sich flach auf den Boden und bedecken Sie Ihren Kopf.“ Das ist die berühmte Aktentasche, die bestimmt Zehntausenden Japanern in Hiroshima und Nagasaki das Leben gerettet hätte, wenn das schon damals bekannt gewesen wäre. Noch mehr Ratschläge?

„Sollten Sie im Freien überrascht werden, schauen Sie nicht in den Blitz oder in den Feuerball. Dadurch können Sie erblinden.“ Außerdem sollte man zu Hause bleiben, mindestens 24 Stunden das Haus nicht verlassen, es sei denn, die Behörden ordnen etwas anderes an. Den letzten Ratschlag kann ich nur bekräftigen, der ist auch dann sinnvoll, wenn die Merkeljugend randalierend durch die Straßen zieht.

Donald Trump findet Gefallen an der Rhetorik als oberster Kriegsherr. Gegen Nordkorea deeskaliert er sprachlich, nachdem er mit dem chinesischen Präsidenten telefoniert hat. Dafür droht er nun Venezuelas Präsidenten Maduro an, in dessen Land wenn nötig die Demokratie einzuführen. Ach, gönnen wir ihm den Spaß. Vorgänger Obama hätte längst Drohnen geschickt, um Kim Jong Un und Nicolas Maduro auszuschalten. Und Hillary Clinton hätte die Marines geschickt – nach einem vorbereitenden Vernichtungsschlag der Luftwaffe.

Erdogan der Allmächtige, gepriesen sei sein Name, äußert Nachsicht mit dem zukünftigen Germanistan. Die Kettenhunde und Wadlbeißer würden nur zu Wahlkampfzwecken über die Türkei herziehen, wenn die Wahl vorüber sei, würde sogar in Merkeldeutschland wieder Vernunft einkehren. Das sei nun mal so in der Innenpolitik, das habe er bei Österreich und Frankreich ebenfalls erlebt.

„Ich glaube, daß sich diese Lage nach der Wahl verbessern wird“, hofft der Padischah in seiner unermeßlichen Geduld. Er geht offenbar davon aus, daß Merkel schließlich einsehen wird, daß Erdogan von Anfang an recht gehabt hat.

Die Truppen der rechtmäßigen syrischen Regierung haben die letzte von korantreuen Muslimen des Islamischen Staates gehaltene größere Stadt in der Provinz Homs befreit. Die US-geführten Truppen weiter nördlich sind nicht ganz so erfolgreich, sie haben in zweieinhalb Monaten gerade „die Hälfte“ von Raqqa erobert. Offenbar mangelt es den Bodentruppen an Einsatzfreude.

Die Propaganda-Truppe der „Weißhelme“, die normalerweise dort auftauchen, wo es sicher genug ist, um von westlichen Journalisten gefilmt zu werden, haben hingegen einen Rückschlag erlitten: In der Provinz Idlib wurden ein paar von ihnen Opfer einer der zahlreichen Terrorgrüppchen, die einst Hillary Clinton als US-Außenministerin ins Leben gerufen hat. Sieben Schauspieler wurden hingerichtet, ihre Kleinbusse, Funkgeräte und weißen Helme erbeutet.

Quelle: Michael Winkler

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