Michael Winkler: Verpasste Zukunft

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Heute gibt es leider keinen Bericht über meine Lieblingsbaustelle. Ich bin eine andere Strecke gefahren und habe in Würzburg wieder einmal die Rote Schleuse genossen. Das ist das Gegenteil der Grünen Welle an den Ampeln, das bedeutet, daß man an der ersten Ampel bei frischem Grün losfährt, sich der nächsten annähert und diese auf Rot schaltet. In Würzburg funktioniert das ausnehmend oft, so als würde jede Ampel der folgenden sagen, daß sie auf Rot schalten soll. Und ja, wir haben viele Ampeln in Würzburg. Richtig viele Ampeln, die ganz hinterhältig auf Rot schalten. Da hat sich die Stadtverwaltung richtig Mühe gegeben.

Die Wahlen sind nun schon fast zwei Wochen her, doch Angela läßt es merkelhaft angehen. Am Sonntag finden die ersten Gespräche mit – Tusch! Narhallamarsch! – der CSU statt. Klar, das ist schließlich die wichtigste Regierungspartei, Bettvorleger Seehofer ist nach seinem 40 Prozent minus X ein unglaublich rückgratstarker Verhandlungsgegner. Wenn man das dünnste Brett zuerst bohrt, schont das den Bohrer ungemein. 2018 ist auch noch ein Jahr, und wenn es mit den Grüninnen oder der FDP schwer wird, kann man gerne bis 2019 verhandeln. Solange gehört Merkel der Kanzler-Airbus, und 2019 wird eh ein Pöstchen in Brüssel frei.

Ich habe zu dem Schützenfest in Las Vegas einige Zuschriften bekommen. Es ist der übliche Inhalt: Das war eine False Flag, es gab mehrere Schützen, der alte Mann, der offizielle Täter kann das gar nicht gewesen sein, das Hotelpersonal hätte die vielen Waffen bemerkt. Okay, ja, Sie haben alle recht. Ja, ehrlich. Aber was soll ich tun? Würfeln, wer da noch ein bißchen mehr recht hat als alle anderen? Ganz sicher wissen wir:

Es wurde auf ein Country-Konzert geschossen. Wer da hingeht, gehört zum bodenständigen, konservativen Trump-Amerika. Die Opfer sind also Leute, denen die Wahrheitsmedien sonst das Etikett „rechts“ ankleben. Der oder die Schützen haben also das getan, was die Kanzlerin immer fordert, den „Kampf gegen Rechts“. Die offizielle Verlautbarung, mit einem Schützen und einem ganzen Waffenarsenal, mit einem der Langeweile seines Lebens überdrüssigen Einzeltäter, gefällt mir durchaus und sie paßt in die heutige Zeit. Ob sie letztlich stimmt, muß sich zeigen, die Wahrheit wird frühestens in fünfzig Jahren zugegeben.

Statt über das Wie nachzudenken, möchte ich lieber auf das Warum eingehen. Geschossen wurde auf jenes konservative Amerika, zu dem auch die Waffenbesitzer gehören. Bei dieser Schußentfernung hätte sich ein normaler Waffenträger mit Pistole nicht wehren können. Das erfordert ein Gewehr und eine gewisse Übung. Eine Mannscheibe ist auf 200 Meter ein Ziel, das nicht allzu leicht zu treffen ist. Unter Beschuß habe ich das nie probiert, das hat es bei der Bundeswehr nicht gegeben. Für einen Scharfschützen mit entsprechender Ausrüstung sieht das anders aus, aber nicht einmal in den USA geht man mit einem Präzisionsgewehr samt Zielfernrohr zu einem Country-Konzert. Die Botschaft an das konservative Amerika lautet:

Nicht einmal Eure Waffen können Euch vor anderen Waffen schützen. Insofern passen dazu gut eine Absicht und ein Drehbuch. Das Motiv des Staates ist viel leichter zu erkennen als das Motiv des lebensmüden Einzeltäters.

Alle reden vom Wetter – die Bahn steht still. Wer ankommen will, sollte das Auto benutzen. Oh ja, unsere Eisenbahn ist in einem wunderbaren Zustand, ich möchte sogar sagen, in einem merkelhaften Zustand. Ein paar ICE-Strecken sind dazugekommen, ansonsten stammt die Bahn aus besseren Zeiten, damals, als wir noch einen Kaiser gehabt haben.

Andere Länder modernisieren, da unsere Kanzlerin lieber fliegt, bekommt sie erst gar nicht mit, wie es auf den Schienen so zugeht. Neben dem „Alle reden vom Wetter – wir nicht“, hatte die Bahn auch mal ein anderes Schlagwort: „Unternehmen Zukunft“. Ja, das trifft es doch wunderbar: „Unternehmen verpaßte Zukunft“. Da sagen wir doch: Danke, Kanzlerin!

Kann ich mir eine CSU ohne Seehofer vorstellen? Natürlich kann ich das! Solange liegen die besseren Zeiten der Partei schließlich nicht zurück. Das Schöne ist, die CSU kann sich inzwischen ebenfalls eine CSU ohne Seehofer vorstellen. Wir haben derzeit drei Parteivorsitzende auf Abruf: Martin Schulz, Angela Merkel und Horst Seehofer. Schulz und Merkel haben noch Schonfrist bis zum 15. Oktober, wenn in Niedersachsen gewählt worden ist, beginnt da das Nachdenken. Seehofer hingegen wäre bis zur Wahl im September 2018 eine flügellahm geschossene Ente, die hofft, noch einmal in die Luft zu fliegen.

Anders als Bayern München, die offenbar Jupp Heynckes zurückwollen, haben sich Seehofers Vorgänger Huber, Beckstein und Stoiber nicht mit einem Tripelsieg-Triumph verabschiedet. Die gibt es zwar noch, nur will die bestimmt keiner mehr zurück. Anders als SPD und CDU verfügt die CSU jedoch über Personal, das Seehofer problemlos ersetzen könnte. Der Schritt muß jedoch radikal erfolgen, ein Seehofer mit einem bißchen verbliebener Macht wäre sonst ein veritabler Wadlbeißer.

Quelle: Michael Winkler

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