Michael Winkler: Wie tief ein Mensch sinken kann

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Auf der Fraueninsel im Chiemsee gibt es einen kleinen Friedhof, mit dem privaten Grab der Familie von Generaloberst Jodl. Der durfte am 7. Mai die Kapitulation der Wehrmacht unterschreiben und wurde später von den Siegermächten als Kriegsverbrecher hingerichtet. Seine Asche wurde in der Isar verstreut, auf dem Familiengrab gibt es nur einen Grabstein mit seinem Namen.

Das wiederum hat einen Münchner „Künstler“ gestört, der den Grabstein mehrmals mit blutroter Farbe „verziert“ hatte und eine eigene Gedenktafel mit der Überschrift „Kriegsverbrecher“ angebracht hat. Ich frage mich, wie tief ein Mensch sinken kann, wenn er einem Toten nicht einmal seinen Grabstein gönnt. Falls dieser „Künstler“ tatsächlich ein persönliches Motiv hat – warum richtet sich sein Haß dann nicht gegen die Feinde, die an jenem Krieg eindeutig mehr Schuld tragen als Generaloberst Jodl? Ganz davon abgesehen, ein Nachkriegsgeborener sollte nicht hassen. Und er sollte keine Gewalt gegen Sachen verüben oder über Menschen herziehen, die eindeutig vor ihm gelebt haben.

Die SPD ist gerade im Martin-Schulz-Hoch. Laut neuesten Umfragen wünschen sich 50% der Bundesbürger diesen Herrn als Bundeskanzler, während für Angela Merkel nur noch 34% sind. Laut ARD-Umfrage käme die Union auf 34% und die SPD auf sagenhafte 28%, wenn, ja, wenn am Sonntag gewählt würde. Allerdings wird erst am 24. September gewählt, bis dahin hat sich der Kandidatenbonus abgenutzt – und die SPD wieder gezeigt, was sie alles nicht kann.

Linke und Grüninnen kommen auf jeweils 8%, die FDP könnte mit 6% in den Bundestag zurückkehren und die AfD bleibt mit 12% unter ihren eigenen Hoffnungen. Rot-Rot-Grün hätte somit 44% und keine Mehrheit. Union und FDP hätten mit 40% auch keine Mehrheit. Die Neuauflage der großen Koalition hingegen wäre mit 62% eindeutig regierungsfähig. Welches Amt bekäme dann Schulz? Bliebe Gabriel tatsächlich Außenminister? Als Nicht-mehr-SPD-Chef muß er dann nehmen, was er bekommt.

Angela die Selbstherrliche und Unbelehrbare Merkel hat Erdogan I., den großprächtigen Sultan der Osmanen, besucht. Hoffentlich hat sie inzwischen gelernt, zuerst Pfötchen zu geben, bevor sie sich in den Sessel fallen läßt. Da Sultan Erdogan vor einer Volksabstimmung steht, kann er diesen Besuch gut gebrauchen und für Propagandazwecke ausnutzen. Beim privaten Gespräch dürfte Merkel ihm die schlimme Situation der Menschenrechte in Deutschland geschildert haben, außerdem wie der Anschein der Demokratie trotz Aufhebung der Gewaltenteilung gewahrt wird. Es steht außer Zweifel, daß Erdogan sehr viel vom totalen Merkelstaat lernen kann.

Gute Nachrichten bei der „Deutschen“ Bank sehen derzeit so aus: Der Verlust 2016 betrug mit 1,4 Milliarden Euro weniger als befürchtet. Eine Dividende für die Aktionäre gibt es natürlich nicht, und sogar die Boni für die Bankmanager mußten gekürzt werden.

Ja, das Institut war mal grundsolide, ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als Normalsterbliche in die „Deutsche Bank 24“ abgeschoben werden sollten. Aber das war noch zu Zeiten Hilmar Koppers, der uns den Begriff „Peanuts“ für Verluste der Bank geschenkt hat. Dank einer ganzen Großpackung mit lauter Erdnüssen ist die „Deutsche“ Bank heute eine tickende Zeitbombe mit dem Potential, eine weltweite Finanzkrise auszulösen. Grundsolide sieht anders aus. Vielleicht sollte sie sich in Merkeldeutsche Bank umbenennen.

Quelle: Michael Winkler


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