Wie kommt man in einen vollen Fahrstuhl?

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In Fachkreisen gibt es die Fahrstuhlmetapher, um das Verhalten von Eliten beim Auftauchen neuer Spieler zu verdeutlichen. Stellen Sie sich einen vollen Fahrstuhl vor. Der Fahrstuhl ist ein Sozium (Organisation, Staat, Welt, je nach Betrachtungsebene) und die Eliten haben diese Welt unter sich aufgeteilt, d. h. der Fahrstuhl ist voll. Für weitere Eliten ist kein Platz. Jetzt formiert sich aber doch eine neue Elite, die in den Fahrstuhl will.

jim_garrison schrieb kurz nach der Wahl Trumps:

Also, die Fahrstuhltür öffnet sich und der neue Spieler auf dem Flur, also Trump, sieht, dass im Fahrstuhl kein freier Platz ist. Der Fahrstuhl ist voll mit anderen Spielern, die schon lange hier sind, das sogenannte Establishment. Die Spieler, die Eliten (Elitengruppen) sind diejenigen, die über die Ressourcen des Landes verfügen (Finanzen, Bürokratie, Sicherheitsorgane, Medien usw.). Es gibt keine Ressourcen, die niemandem gehören.

Der neue Spieler kann in dieser Situation mehrere Strategien verfolgen.

Erstens kann man die Fahrtstuhl-Passagiere in Ruhe lassen und die Treppe nehmen. Das heißt, man bleibt Außenseiter und im Endeffekt ein Verlierer. Das würde bedeuten, dass Trump nur die eigenen präsidialen Vollmachten verwenden und damit seine Politik gestalten würde. Dann wird er nichts bewirken können und als einer der schwächsten US-Präsidenten der Geschichte in Erinnerung bleiben. Wer weiss, vielleicht ist Schüchternheit eine heimliche Eigenschaft von Trump…

Zweitens kann man versuchen, sich in den Fahrstuhl zu zwängen, ungeachtet der Tatsache, dass es für die anderen spürbar unkomfortabler wird und dass der Fahrstuhl wegen Überladung stecken bleiben könnte. Das ist der Weg des Durchsetzens seiner Absichten gegen das gesamte Establishment, wobei man fast allen Spielern irgendwelche Ressourcen wegnimmt. Man drückt seine Leute in die Sicherheitsorgane, in den Parteiapparat, in die Finanzkreise, schafft sich Stützen in den Medien usw. Natürlich trifft man dabei auf sehr viel Widerstand. Gegen den Neuling werden Bündnisse geschmiedet und der Ausgang ist völlig offen, vom Amtsenthebungsverfahren (…) bis zur physischen Beseitigung.

Der dritte Weg ist, jemanden aus dem Fahrstuhl zu werfen und sich mit den Verblieben gemütlich einzurichten. Zur Illustration dieser hypothetischen Möglichkeit schauen wir uns die saudischen Skandale der letzten Jahre an. Wenn es wirklich etwas gibt, das die Offiziellen Saudi Arabiens mit dem Terrorakt 9/11 verbindet, dann bedeutet es, dass die Administration von Bush Junior es gewusst und gedeckt hat, dass die Administration von Obama es ebenfalls gewusst und gedeckt hat, und zusätzlich noch die Entstehung des IS gedeckt hat. Die Explosion dieser „saudischen Neutronenbombe“** fegt Bushs, Clintons, einen wesentlichen Teil der CIA und andere von der Bildfläche. Den frei gewordenen Platz kann man mit den eigenen Leuten besetzen und sie in eine ernsthafte Macht verwandeln, mit deren Stütze man die eigenen Reformen durchbringen kann. Allerdings kann das als Nebeneffekt das Kräfteverhältnis im Nahen Osten radikal verändern.

Natürlich gibt es auch andere Strategien, aber das sind die wesentlichen.

** Noch mal, das ist eine Illustration. Die „Neutronenbombe“ kann vieles sein. Zum Beispiel die Finanz- und Steuermachenschaften, Drogenhandel und anderes. Das Wichtigste ist, dass die Untersuchung, im Idealfall eine objektive, die anvisierte Elitengruppe mit öffentlicher Zustimmung zerstört.

Übersetzung von mir.

Schauen wir mal. InfoWars hält das Thema 9/11 am Kochen und rückt Trump als Aufklärer ins Rampenlicht. Zum Beispiel hier im Februar 2016. Trump selbst hat das Thema im Wahlkampf nicht aufgegriffen, aber wenn er darauf angesprochen wurde, hat er sich der offiziellen Verschwörungstheorie nicht angeschlossen.

Ende November hat InfoWars nachgelegt und ein Trump-Interview vom Tag des Terrorakts ausgegraben, in dem Trump sagt, dass das Gebäude unmöglich durch die Flugzeuge hätte einstürzen können, sondern dass es von innen gesprengt worden sein musste.

Ja ja ja, irgendwer hat alle Videoaufnahmen vom 11.09.01 und den Tagen danach säuberlich archiviert und beginnt jetzt damit, die passenden Stückchen aus dem Archiv zu holen. Natürlich dramaturgisch korrekt, mit idealem Spannungsbogen. InfoWars rollt den Roten Teppich zum dritten Weg aus und versucht Trump mit 9/11 eine bestimmte Bombe in die Hand zu legen.

Im Gegensatz zu jim_garrison halte ich die Sprengkraft der angeführten Beispiele nicht für vergleichbar. 9/11 hat erheblich größeres Explosionspotential im Vergleich zu den anderen genannten Themen. Und während jim_garrison gerade mal davon spricht, der US-Regierung eine Deckung der Terrorakte zuzuschreiben (also Duldung), drängt InfoWars mit dem Trump-Interview von 2001 darauf, die Organisation der Terrorakte durch die US-Regierung zum Thema zu machen. Das ist erheblich schwerwiegender als Duldung. Aber auf Organisation läuft es hinaus, wenn denn endlich eingestanden wird, dass die drei Gebäude gesprengt wurden. Dann würde Trump nicht nur den Fahrstuhl der US-Eliten säubern, sondern auch gleich den Fahrstuhl der Geopolitik. Der Moralapostel der Welt, der in Wirklichkeit den größten Terrorakt der Menschengeschichte gegen die eigene Bevölkerung organisiert hat, wäre im geopolitischen Fahrstuhl nicht mehr legitim. Es wäre der rituelle Tod des selbsterklärten „Exceptionalism“. Es wäre der endgültige, nun auch vor den Augen der Zombies vollzogene Sturz des Hegemons.

Warten wir ab, welchen Weg Trump nimmt und welche Bombe er wählt, wenn er den dritten Weg beschreitet.


Nachtrag, 28.12.2016: Alex Jones, das Gesicht von InfoWars, hat Ende 2015 ein halbstündiges Interview mit Donald Trump geführt. Die persönliche Verbindung zwischen den beiden macht das oben Geschriebene noch relevanter. Und wenn man zusätzlich bedenkt, wie lange, wie tief, wie hartnäckig und wie erfolgreich Alex Jones bei bestimmten Elitenkreisen herumwühlt, winkt uns Safari 2 mit dem Zaunpfahl entgegen.

Quelle: analitik.de


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