Putin zu NATO-Journalisten: „Ihr werdet belogen“

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Kreml-Klartext für Hofberichterstatter:

Kürzlich versuchte der russische Präsident eine Riege hochrangiger westlicher Journalisten von der Gefahr eines westlich provozierten Erstangriffs auf Rußland zu überzeugen. Die Medien würden belogen werden, um ihren Lesern dieselben Lügen aufzutischen, sagte Putin. „Die Menschen fühlen keine Gefahr – das ist es, was mich beunruhigt.“

Am 18. Juni traf sich Wladimir Putin zum Ausklang des zweiten Tages des St. Petersburger Wirtschaftsforums mit leitenden Mitarbeitern der größten internationalen Nachrichtenagenturen. Ein kanadischer Journalist wollte wissen, was Putin von einer Beteiligung Kanadas in NATO-Übungen in Polen hält. Auf sehr persönliche Art erteilte Putin den Anwesenden daraufhin eine Lektion in Militärgeschichte und hielt der westlichen Propaganda vom bösen Russen den Spiegel vor.

Wladimir Putin: Hören Sie, hier sind alle sehr mündige und bereits erfahrene Menschen anwesend. Ich werde jetzt nicht bitten, daß Sie all das, was ich sagen werde, so in Ihren Materialien abbilden und auf die Presse Einfluss ausüben sollen. Ich möchte Ihnen einfach persönlich gewisse Dinge sagen und Sie an diese erinnern.

Die Welt ist doch vor großen Kriegen und kriegerischen Konflikten bewahrt worden – ich und Sie alle wissen das – dank der sogenannten strategischen Balance, die erreicht worden ist, nachdem zwei Atomsupermächte sich faktisch über die Eindämmung sowohl der Vermehrung von offensiver Bewaffnung als auch der Systeme der Raketenabwehr verständigt hatten. Denn für alle war klar: Wenn eine Seite eine Raketenabwehr erfolgreicher entwickelt als die andere, dann gewinnt sie die Oberhand und bei ihr kommt die Versuchung auf, diese Waffe als erste einzusetzen. Deswegen sind das System der Raketenabwehr und die Vereinbarungen auf dieser Ebene ein Eckpfeiler der internationalen Sicherheit.

Ich bin weit davon entfernt, jemanden zu beschimpfen und jemanden daran die Schuld zu geben, aber unsere amerikanischen Partner sind aus dem Abkommen über die Einschränkung der Raketenabwehrsysteme auf einseitige Weise ausgestiegen, das war ein kolossaler Schlag. (…)

Man hat uns geantwortet: „Ja, unser Raketenabwehrsystem richtet sich nicht gegen euch, und bei dem, was ihr macht, gehen wir davon aus, daß es nicht gegen uns gerichtet ist, also macht, was ihr wollt.“ (…) Man dachte wohl, daß eine gewisse Zeit vergehen werde, und die vorhandenen und von der Sowjetunion übernommenen Waffen verkommen würden. Daher sagte man uns: ja, macht, was ihr wollt. Aber wir mahnten an, daß wir es tun werden, wir sprachen darüber. Und wir tun es. Und ich versichere Ihnen, Rußland hat heute wesentliche Erfolge auf diesem Weg erreicht. (…)

Aber bei alledem gelangten sie dazu, daß sie heute das System der Raketenabwehr in Rumänien aufbauen. Sie sagten die ganze Zeit: Wir müssen uns vor der iranischen atomaren Bedrohung schützen. Wo ist die iranische atomare Bedrohung? Es gibt sie nicht, man unterzeichnete bereits ein Abkommen, wobei eigentlich die Vereinigten Staaten die Initiatoren dieses Abkommens mit dem Iran waren. (…) Es ist in der Tat so, sie haben versucht, uns ein weiteres Mal zu prellen. Heute bauen sie dieses System auf, stellen dort Raketen auf, aber Ihnen muß bekannt sein, daß diese Raketen mit Kapseln versehen werden, die für den Start von „Tomahawk“-Raketen mittlerer Reichweite maritimer Stationierung verwendet werden.

Heute stellt man Antiraketen dorthin, die fähig sind, Ziele in Reichweite von 500 Kilometer zu treffen. Aber die Technologie entwickelt sich, wir wissen annähernd, in welchem Jahr die Amerikaner eine neue Rakete bekommen, die bereits nicht auf 500 Kilometer, sondern auf 1.000 und dann auf mehr eingestellt sein wird. Und von diesem Zeitpunkt an werden sie beginnen, unser atomares Potenzial zu bedrohen. Wir wissen über die Jahre hinweg, was geschehen wird, und sie wissen, was wir wissen. Und sie hängen Ihnen eine Nudel an die Ohren [gemeint: man lügt Ihnen das Blaue vom Himmel herab], wie man bei uns sagt, und Sie Ihrerseits täuschen Ihre Bevölkerungen.

Die Menschen fühlen keine Gefahr – das ist es, was mich beunruhigt. Wie können wir es nicht verstehen: wir ziehen die Welt in eine völlig neue Dimension – darin liegt das Problem. Es wird der Anschein gemacht, als ob nichts vor sich geht, ich weiß gar nicht, wo man anklopfen soll [wie man sich bemerkbar machen soll]. Sie sagen dazu: Dies ist ein Teil des Verteidigungs-, nicht des Angriffspotenzials, dies sind Systeme, die vor Aggressionen schützen. Das ist aber nicht wahr, es ist nicht so.

Das strategische System der Raketenabwehr ist ein Teil des strategischen Angriffspotenzials, und all dies funktioniert in einem einheitlichen Verbund mit den offensiven Angriffssystemen. Die einen bringen einen Präventivschlag mit Hochpräzisionswaffen an, die anderen schützen vor einem atomaren Erwiderungsschlag, die dritten bringen selbst einen Atomschlag an. Dies alles wird in einem Komplex aufgelöst, in einem Komplex mit modernen Präzisionswaffen nichtatomarer Verwendungsart.

Also gut, es sind Abwehrraketen, die man entwickelt und die uns immer mehr bedrohen werden, aber die Behälter, in denen diese Raketen eingesetzt werden (…) Woher wissen wir denn, was sich dort in diesen Schächten befindet? Man muß einfach eine Änderung am Programm vornehmen – das ist alles. Diese Arbeit vollzieht sich absolut unauffällig, ja auch die Rumänen werden nicht wissen, was dort vor sich geht. Läßt man wohl einen Rumänen dorthin? Niemand wird es wissen: weder die Rumänen noch die Polen werden es wissen. Ich weiß, wie vorgegangen wird. Nach meiner Sicht ist dies eine große Gefahr. (…)

Aber ich weiß genau, daß wir genötigt sein werden, zu antworten. Nur ich weiß schon im Voraus, daß man uns wieder eines aggressiven Verhaltens beschuldigen wird, obgleich es nur die Antwort ist. Aber es ist klar, daß wir Sicherheit gewährleisten werden müssen, nicht nur unsere eigene – uns ist es auch wichtig, die strategische Balance in der Welt sicherzustellen.

Gerade die strategische Balance hat Frieden auf der Erde sichergestellt und sie bewahrte uns vor schweren bewaffneten Konflikten während der letzten 70 Jahre. Wissen Sie, das ist ein Gut, wenn auch eines, das auf gegenseitiger Bedrohung fußt. Diese hat den globalen Frieden über Jahrzehnte hinweg gewährleistet. Wie man ihn untergraben kann, weiß ich nicht. Mir scheint, daß dies sehr gefährlich ist. Es scheint mir nicht nur so, ich bin mir dessen sicher. (…) Wir werden Euch nicht sagen, was ihr wollt und macht, aber wir werden so handeln, wie wir es für nötig halten, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.

Quelle: Quer-Denken.TV


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